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Mein todschickes BMW 700 Coupé

Horst G., geboren 1938, ist aufgewachsen in Iserlohn. Die Automobilindustrie war die Branche, in er fast sein gesamtes Berufsleben tätig war. Nach der Ausbildung zum Kfz-Schlosser in Düsseldorf studierte er in München und begann dort seine berufliche Laufbahn. Nach 15 Jahren in Düsseldorf zog es ihm dann für 30 Jahre ins südliche Niedersachsen, mit dem Vorruhestand verschlug es ihn nach München und er lebt seit 2010 wieder in Düsseldorf.

Mein erstes Auto soll zur Sprache kommen. Es war natürlich ein BMW, denn bei dieser Autoschmiede arbeitete ich in München. Ein todschickes grau lackiertes BMW 700 Coupé, das Modell gestaltet von einem legendären italienischen Autodesigner. BMW warb euphorisch für das Modell. Die Fachpresse überschlug sich vor Begeisterung in ihren Kritiken.

Ein hübscher Bug, ein kesses Heck mit den beiden schnurgeraden Kotflügelspitzen. Vorn waren der Tank und ein beachtlicher Kofferraum. Die Musik spielte hinten, ein 30 PS starker Zweizylinder-Boxermotor mit 697 cm³. Nicht so sehr auf Nutzwert getrimmt, mehr Kür als Pflicht. Durch den Heckmotor lenkte sich der 700 spielerisch leicht und machte selbst auf längeren Ausflügen ausgesprochen Laune.


Hoffnungsträger gegen die Krise

Mit dem 700er erhielt BMW einen Hoffnungsträger, der das Unternehmen durch die Krise von 1959 führte. Denn BMW befand sich in wirtschaftlich ernster Situation. Die Motorradproduktion war Mitte der 1950er Jahre rasant geschrumpft, die Herstellung der prestigeträchtigen Achtzylinder-Modelle verlustbringend und der Nachfolger der legendären Isetta erwies sich als Flop.

Nur ein Wunder schien die BMW-Werke noch vor der Übernahme durch Daimler-Benz und damit dem Untergang zu retten. Der BMW 700 konnte die mit dem Wirtschaftswunder einhergegangenen gewachsenen Ansprüche der Kunden bedienen und wurde mit seinen Verkaufserfolgen zum Retter von BMW. Mit dem Coupé konnten viele Kunden ihren Wunschtraum vom günstigen Sportwagen realisieren. Auch im Motorsport war der 700er sehr erfolgreich. Das Fahrzeug ging 1959 in Serie und wurde bis 1965 gebaut.


Gekauft hatte ich das Auto 1962 gebraucht bei Georg „Schorsch“ Meier. Er war ein Idol in München, vor dem Krieg ein sehr erfolgreicher Rennfahrer, nebenbei machte er Dienst bei der Polizei auf einem BMW-Motorrad. Auch nach dem Krieg fuhr er der Konkurrenz auf und davon.

Später verkaufte er Autos und Motorräder jener Marke, der er zeitlebens sehr verbunden blieb – BMW.


Als wir München 1963 wieder den Rücken kehrten und mit dem BMW auf der Autobahn in Richtung Düsseldorf fuhren, passierte uns ein heftiger Motorschaden. Der BMW 700 hatte ja nur zwei Zylinder, und davon fiel plötzlich einer aus. Was nun? Ich setzte die Familie in Stuttgart ins Flugzeug und tuckerte allein langsam mit der Kraft des verbleibenden Zylinders nach Düsseldorf.

Den Motor habe ich später in der Tankstelle meines Schwagers in Essen in Eigenregie repariert und danach den Wagen verkauft. Ein gebrauchter Käfer wurde dann zum Nachfolger meines BMWs.


Auszug aus „Ich hatte alles!“, erzählt von Horst G., geschrieben von Reinhard R.

Foto mit freundlicher Genehmigung von BMW (Quelle: BMW Group Classics)



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