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Schule und Krieg – Blaue Briefe und viele Streiche

Dieter H. wurde 1927 geboren. Er beschreibt seine Heimatstadt, das Wohnumfeld und seinen Schulbesuch dort sehr detailreich. Der Familie ging es dank des handwerklich arbeitenden Vaters recht gut.



Foto: ASSY/Pixabay


Die weiterführende Schule

Die Oberrealschule in Krefeld auf der Lindenstraße/Ecke Westwall war eine reine Jungenschule und auf Naturwissenschaften ausgerichtet. In der Nazizeit (1) bekam sie den Namen Fichteschule und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg (2) zum Fichte-Gymnasium. Das Gymnasium auf der Dionysiusstraße, das heutige Arndtgymnasium, war altsprachlich geprägt. Für die „feineren“ Leute gab es das Realgymnasium Moltkeschule. Für die Mädchen gab es ein Lyzeum auf der Moerser Straße, das heutige Ricarda-Huch-Gymnasium, und eines auf der Hubertusstraße, die katholische Marienschule. Am Ostwallende war eine Realschule für Mädchen angesiedelt. Eine meiner jüngeren Cousinen, Hilde, besuchte diese Realschule, die ältere, Erika, besuchte das Lyzeum auf der Moerser Straße.


Angst vor der Nichtversetzung

Mit zehn Jahren wechselte ich zur Oberrealschule, hauptsächlich, weil Vater das so entschieden hatte. Es war nicht einfach, auf die Oberrealschule zu kommen. Man musste eine Prüfung ablegen und auch die vorherigen Zeugnisse vorlegen. Für mich als gut Zehnjährigen war die neue Schule eine Überraschung, aber auch eher eine Enttäuschung. Denn jetzt musste ja ganz anders gelernt werden, und so gut war ich mit meinen Leistungen ja gar nicht. In all der Zeit an dieser Schule schaffte ich es, dass ich gerade so im unteren Mittelfeld lag.


Eingeschult wurde um die Osterzeit. Es gab dreimal im Jahr Zeugnisse. Auf die Zeit, bevor es das Versetzungszeugnis gab, musste man besonders achten. Es kam darauf an, dass man „versetzungsfähig“ war. Vor diesem Zeugnis gab es für die, deren Versetzung fraglich war, „Blauen Briefe“ (3). In der Sexta hatten wir als erste Fremdsprache Englisch, in der Quarta kam Latein dazu. Als wir mit Latein starteten, war ich einige Wochen krank und verpasste somit wichtige Grundlagen. Es verfolgte mich mein Leben lang, dass ich diese wichtige Zeit des Lateinunterrichts verpasst hatte. Von da an produzierte ich – mit einer einzigen Ausnahme – nur Fünfen und Sechsen.


Unterrichtet wurden wir nicht von einem Studienrat, sondern von einem Oberschullehrer oder einem Lehrer in vergleichbarer Position. Herr W. hieß er, und er war gar nicht nett. Wenn eine Arbeit geschrieben werden sollte, kündigte er sie nicht vorher an, sondern kam überraschend mit den Heften in die Klasse. Obwohl ich in der Regel in der zweiten Reihe saß, meinte er bei Klassenarbeiten „Du kannst dich in die letzte Reihe setzen! Du schreibst ja eh nicht mit.“

Also bekam Herr W. von mir ein leeres Heft. Ich konnte nie mehr in Latein Tritt fassen. Ich erinnere mich noch an so kleine Heftchen, die wir verbotenerweise zum Pfuschen benutzten, wenn wir lateinische Texte lesen und übersetzten mussten. Nach meiner Schulzeit konnte ich aus einem dieser Heftchen noch die ersten zwei, drei Sätze rezitieren. Trotz meiner „überragenden“ Leistungen in Latein gab man mir aus Anstand, Mitgefühl oder Höflichkeit noch eine Vier. Die Vier war offensichtlich dazu gedacht, dass auf meinem Kriegsabiturzeugnis die Abschlussnote für Latein nicht aus dem Rahmen fiel, denn in den anderen Fächern war ich durchschnittlich oder sogar ein bisschen besser.


Auf der weiterführenden Schule gab es sicherlich auch einige Situationen, über die man lachen konnte. Aber das Verhalten war immer gesittet, und die damaligen Streiche sind mit dem heutigen Schülerverhalten überhaupt nicht zu vergleichen. Es ist nie jemand zu Schaden gekommen, und wir haben auch keine Sachen zerstört.


Holzkiste mit Inhalt – Streich  1

Damals stand in der Fichteschule in jedem Klassenraum eine Holzkiste, die wiederum in einer Umhüllung stand, die innen mit Blech ausgeschlagen war. Wozu diese Kiste diente, weiß ich nicht. Sie stand zusammen mit dem Kartenständer vorne in der Klasse neben der Tafel. Wir hatten einen Mitschüler, klein und schmal, der später wohlbestallter Stoffverkäufer in St. Tönis geworden ist. Er lebt heute wohl noch, hatte später fünf Kinder, war aber nicht jemand, der zu unserer Jungengruppe gehörte. Diesen kleinen Mitschüler „falteten“ wir zusammen, steckten ihn in die Holzkiste und legten den Kartenständer quer obendrüber.


Der fehlende Türgriff – Streich 2

Doktor J., genannt Klotz, war an der Fichteschule unser Objekt, um Unsinn zu machen. Irgendwann nötigten wir Schüler ihn einmal dazu, im Erdgeschoss aus dem Fenster zu steigen. Und das kam so: Die Türknöpfe der Klassenräume waren mit einem Splint gesichert. In einer Stunde von Herrn Doktor J. ging ich zur Toilette und schloss die Klassenzimmertür etwas heftig. Plötzlich hatte ich den äußeren Dreh-Türknopf in der Hand, die innere Türklinke war ohne Gegenstück, und man konnte die Tür nicht mehr von innen öffnen. Jetzt sah sich der arme Kerl uns auf Gedeih und Verderb ausgeliefert! Zwar waren die Fenster im Erdgeschoss der Schule recht hoch angebracht, aber als Splitterschutz waren Betonblöcke unter die Fenster gesetzt worden. Da wir in dieser letzten Schulstunde den Klassenraum nicht mehr durch die Tür verlassen konnten, beschlossen wir Schüler, durchs Fenster zu klettern. Und Herr Doktor J. musste mit!


Ein heißes Eisen – Streich 3

Weniger lustig war die Geschichte, die wir einmal im Winter abzogen. Die Klassenzimmer wurden mit Koksöfen beheizt. Ein Mitschüler hatte ein Hufeisen mitgebracht, welches wir im Ofen richtig heiß werden ließen. Dieses heiße Hufeisen legten wir Doktor J. aufs Lehrerpult. Durch den schlechten Ruf unserer Klasse vorgewarnt, wusste er schon, dass da wieder irgendwelcher Blödsinn laufen würde. „Ha, ha, da habt ihr mir aber ein nettes Geschenk gemacht!“

Mit diesen Worten griff  Doktor Jansen nach dem Hufeisen!! Das tat weh! Ein Mitschüler durfte dann auf Anweisung von Doktor J. das Hufeisen entfernen.

Beim nächsten Mal lag das Hufeisen wieder auf dem Pult. Dieses Mal war es nicht heiß gemacht, sondern kalt. Dieses Mal entfernte Doktor J. das Hufeisen eigenhändig, schließlich war es ja kalt.


Hier stinkt es! - Streich 4

Ein anderer Blödsinn, den wir veranstalteten, war, im Winter Eiszapfen mitzubringen und sie in die Koksöfen zu stecken. Es war bekannt, dass das fürchterlich stinken würde. Zu Beginn der Pause war der Gestank schon wahrzunehmen.


Foto: Hans/Pixabay


Nach der Pause war es so schlimm, dass keiner mehr in die Klasse gehen wollte. Der erste Lehrer, einer von den Superklugen, kam zum Unterrichten. Er bemerkte den Gestank und holte einen Kollegen zur Beratung dazu. Die Beiden entschieden dann, dass zwei von uns – ich war nicht dabei – unter den Bänken und Tischen in der ganzen Klasse hindurch kriechen sollten, um die Stinkbomben zu suchen, die ja wohl irgendwo zertreten worden waren. Diese Stinkbomben sollten die beiden Mitschüler nun finden. Es war aber nichts zu finden! Schließlich kam Oberstudiendirektor Dr. K.! Ein Menschenauflauf vor der Klassentür! Schlussendlich wurde der Klassenraum gut gelüftet. Was danach passiert ist, weiß ich nicht genau. Aber auf jeden Fall hatte es einen Aufstand gegeben.


Studienrat O. kannte uns von der Sexta bis zu der Zeit, als wir als Luftwaffenhelfer (4) eingezogen worden waren. Sowohl die Kollegen als auch die Schüler wussten, dass er mit unserer  Klasse fertig wurde. Deshalb wurde er wohl auch nie ausgetauscht. Er war Naturwissenschaftler und unterrichtete Mathematik, Chemie, Biologie und Physik. Irgendwann nach der Eiszapfenattacke tauchte er bei uns in der ersten Stunde auf, baute sich vor uns auf und fragte „Was hab ich denn da wieder gehört?“ Ein wenig ein schlechtes Gewissen hatten wir schon, haben uns aber nicht lautstark gebärdet. „Ja, so etwas wie mit den Eiszapfen könnt ihr ja auch noch gar nicht machen! So weit sind wir in Chemie noch gar nicht. Wenn ihr so was machen wollt, dann müsst ihr mich schon vorher fragen!“ Und damit war für Studienrat O. das Thema erledigt.


Der Blaue Brief

Mein Vater hatte noch das letzte Jahr des Ersten Weltkriegs (5) mitgemacht und war dann auch noch zwei Wochen vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs  eingezogen worden. Er musste sein Geschäft aufgeben, stand als Soldat aber mit der Familie in Kontakt. Als um 1942 herum der erste Blaue Brief ins Haus trudelte, war er entsetzt. Mutter war noch entsetzter, obwohl sie schon vorher Kummer mit mir gewöhnt war. Nach dem Blauen Brief wartete die ganze Familie auf die Entscheidung, ob ich denn nun versetzt würde oder nicht. Und siehe da! Ich wurde versetzt! Ich hatte nur eine einzige Fünf auf dem Zeugnis, und zwar erwartungsgemäß in Latein. Eine zweite Fünf fehlte auf dem Zeugnis. Also konnte ich versetzt werden, und alle haben gestaunt.


Mutter arbeitete in der Bahnhofsmission

Das Rätsel um die verschwundene zweite schlechte Zensur wurde später von Mutter gelöst. Es war Krieg, Vater war eingezogen worden wie viele Freunde der Familie. Mutter dachte sich: „Du kannst nicht nur hier rumsitzen. Du bist zwar nur Hausfrau, aber du musst auch was tun.“ Also meldete sie sich für den Sonntagvormittag am Hauptbahnhof bei der Bahnhofsmission, die damals noch nicht so hieß. Zu der Zeit war auf allen Bahnsteigen viel Betrieb: Reisende, Flüchtlinge, Soldaten. Bis mittags machte Mutter dort Bahnhofsdienst und war dort gut aufgehoben. (Zwar war Mutter katholisch, aber sie ging zu der Zeit wohl nicht in die Kirche, denn sonst hätte sie nicht am Bahnhof ihre freiwillige Arbeit leisten können.)

Wie es der Zufall wollte, stellte sich ziemlich schnell heraus, dass eine der anderen Helferinnen die Sekretärin meines Oberstudiendirektors Dr. Rolf K. war: Fräulein B.

Die beiden Damen kamen ins Gespräch, und so kam auch die Sprache auf Dieter H. – MICH. Fräulein B. erinnerte sich: „Ach, Dieter H.! Der ist doch einmal fast sitzen geblieben!“ Meine Mutter meinte: „Ja, das war ganz schlimm! Aber Dieter ist ja gottlob nicht sitzen geblieben, sondern versetzt worden.“ Jetzt klärte Fräulein B. meine Mutter auf: „Der Herr Oberstudiendirektor hat damals einen Trick angewandt. In den Zeugnissen werden ja nur glatte Noten eingetragen, keine mit Plus oder Minus. Bevor die Zeugnisse geschrieben werden, liegen die Notenlisten im Lehrerzimmer aus, und die Lehrer müssen ihre Zensuren eintragen. Bei Dieter hatte der Oberstudiendirektor in Englisch eine Vier mit einem Minus eingetragen. Das fand er aber wohl immer noch zu gut bewertet, und deshalb schrieb er ein weiteres Minus hinter die Vier. Das sah jetzt aus wie eine Vier mit einem Gleichheitszeichen. Und deshalb bekam Dieter in Englisch keine Fünf, sondern eine Vier und konnte versetzt werden!“


Reiten, oder doch lieber Motorradfahren?

Als ich vierzehn Jahre alt war, war bereits Krieg, aber ich musste dennoch entscheiden, wie es für mich in der Hitlerjugend (6) weitergehen sollte. Man konnte innerhalb der Hitlerjugend eine Abteilung wählen. Entweder machte man bei der „normalen“ Hitlerjugend weiter, oder wechselte z.B. in die Flieger-Hitler-Jugend, die Motor-Jugend oder in die Reiter-Jugend.


Foto: Raksa R./Pixabay


Anfang 1942 erlaubten mir meine Eltern, privat zu reiten, denn das kostete ja alles Geld. Ich besuchte den Reiterhof Welpott auf dem Breitendyk, kurz vor der Moerser Straße. Auf der linken Seite des Breitendyks gab es die Verbandsstofffabrik Schumacher, die mit dem Giebel zur Straße stand. Auf dem Gelände dahinter war der Reitstall mit der Halle, auf der anderen Seite des Breitendyks lag der offene Reitplatz. Da ich privat reiten durfte, meldete ich mich bei der Reiter-Jugend der HJ. Ich war allerdings nur ein einziges Mal bei denen auf der Goethestraße. Dort hatte sie ihren Stall und alles, was dazu gehörte. Irgendwie war da was nicht in Ordnung. Die Reiter-Jugend gefiel mir nicht, und ich wollte da nicht wieder hin. Für mich war klar: Für dich kommt dann nur die Motor-Jugend infrage! Ich schob da auch einige Zeit Dienst, aber das war nicht lange, denn für mich und meine Klasse kam am 15.  Februar 1943 der Bruch. Da war ich kurz vor meinem 16. Geburtstag, und den wollte ich noch erleben.


Brandbombeneinschlag

Am 2. Oktober 1942 fielen in Krefeld mehr Bomben als üblich. Eine Brandbombe erwischte unser Geschäft, auch die Garage, in der unser Auto stand. Alles brannte ab! Die Leute in den grauen Uniformen, in der Regel ältere Leute, die nicht frontgeeignet waren, die man aber in Uniformen bzw. Overalls gesteckt hatte, waren verpflichtet worden, da zu helfen, wo Hilfe nötig war. Diese Leute stellten fest, dass auf der Brandstelle nichts mehr zu retten war, teilten aber mit, dass sie am nächsten Tag zur Vorsicht im ganzen Haus kontrollieren würden, ob alle Gefahren beseitigt waren. Tatsächlich stapften sie durch das ganze Haus, auch durch unsere Wohnung, und nahmen aus dem elterlichen Schlafzimmer offensichtlich den einzigen Brillantring meiner Mutter mit. Als das zuhause passierte, war ich bei der Kartoffelernte in Norddeutschland.


Kartoffelferien in Norddeutschland

Ich war todunglücklich! Da, wo ich untergebracht war, wo ich schlafen musste, rasselte die Kuh neben mir mit der Kette, denn sie war nur durch eine Zwischenwand von mir getrennt.


Foto: Wounds_and_Cracks/Pixabay


Meine „Schlafstätte“ war in die Ecke des Raums gequetscht: Kopfende war eine Wand, eine Längsseite war eine Wand, die andere Längsseite bestand aus einem Brett, genauso wie das Fußende. In das so entstandene Rechteck waren Bretter gelegt worden, die Zwischenräume wurden mit Stroh ausgestopft; darauf kam ein Kissen, gefüllt mit Stroh. Aufrecht konnte ich in meiner „Bettecke“ nicht stehen; ich musste mich immer bücken. Wenn ich nachts raus musste, war das viel zu beschwerlich. Mein Schlafraum hatte ein kleines Fensterchen, durch das ich nachts nach draußen pinkelte, bevor ich den beschwerlichen Weg zur Toilette auf mich nahm.


Arbeit mit den Pferden

Ich war zwar für die Kartoffelernte abkommandiert worden, aber die Kartoffeln waren noch nicht erntereif. Also beschäftigte man mich mit anderen Dingen, auch mit der Arbeit mit den Pferden. Morgens musste ich sie auf die Weide bringen, womit ich kein Problem hatte. Wenn wir an der Weide angekommen waren, nahm ich den Tieren das Geschirr ab, klopfte ihnen auf den Hintern, und dann galoppierten sie los. Das war keine gute Idee, denn einmal trat eines der Pferde aus und erwischte mich an der Brust. Ich machte meinen ersten Salto rückwärts, aber auf dem Hof habe ich nichts davon erzählt. Dann kam tatsächlich die Zeit der Kartoffelernte. Weiterer Helfer waren auch ein französischer Kriegsgefangener. Damals wurde die Ernte nicht mit so vielen Maschinen wie heute bewerkstelligt; es gab lediglich eine Maschine, die die Kartoffeln herausrodete. Wir mussten dann die Kartoffeln vom Feld aufsammeln. Der Bauer markierte mit Stöcken eine oder zwei Bahnen, auf denen gesammelt werden musste. Der Roder fuhr los und wir mussten schnell hinterher zum Sammeln. Der Franzose konnte das schon ganz gut, er machte das wohl nicht zum ersten Mal. Ich hatte Mühe, mit dem Tempo mitzukommen, ich fühlte mich gar nicht wohl.


Mit Eiern nach Hause

Dann kam von zuhause die Nachricht: Die Brandbombe! Per Brief hatte meine Mutter mich über die Situation informiert und ich schrieb zurück, dass ich nach Hause kommen würde. Ich erzählte dem Bauern, dass wir in Krefeld einen Bombenschaden hätten und ich dringend gebraucht würde. Das war 1942, und da war ein Bombenschaden noch etwas Besonderes. Also war der Bauer mit meiner Heimkehr einverstanden und gab mir noch ein Paket mit Eiern mit.

Ich musste vom Hof aus zum Bahnhof Buxtehude, um den Zug aus Richtung Hamburg zu nehmen. Von da aus fuhr ich mit dem Zug nach Krefeld. Die Eier kamen alle heil an. Das waren meine Kartoffelferien im Jahr 1942 und ich ging wieder zur Schule, bis der 15. Februar 1943 mir als Flakhelfer (7) einen neuen Lebensabschnitt bescherte.



Quellen für Punkt 1-5: wikipedia.org

(1) Die Zeit des Nationalsozialismus (auch NS-Zeit und NS-Diktatur genannt) umfasst die Zeitspanne von 1933 bis 1945, in der Adolf Hitler im Deutschen Reich eine von der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) gestützte Führerdiktatur, den NS-Staat etablierte. Die NS-Zeit begann am 30. Januar 1933 mit der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler und endete am 8. Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht vor den Alliierten und ihren Verbündeten. Mit seiner expansiven und rassistischen Ideologie und Politik entfesselte Hitler den Zweiten Weltkrieg, in welchem die Nationalsozialisten und ihre Helfershelfer Massenverbrechen und Völkermorde verübten. Leitbild nationalsozialistischer Gesellschaftspolitik war eine in sich geschlossene, rassisch und ideologisch gleichförmige Volksgemeinschaft von „Ariern“. Politisch Andersdenkende und Regimegegner wurden von Anbeginn der NS-Diktatur mit Mitteln des Staatsterrors verfolgt und unter anderem in Konzentrationslager gesperrt. Juden wurden diskriminiert und unter etwa durch die Nürnberger Gesetze systematisch entrechtet. Die radikal antisemitische Politik der Nationalsozialisten mündeten in den Holocaust. …


(2) Als Zweiter Weltkrieg (1.9.1939 – 2.9.1945) wird der zweite global geführte Krieg sämtlicher Großmächte im 20. Jahrhundert bezeichnet. In Europa begann er mit dem von Adolf Hitler befohlenen Überfall auf Polen. …. Im Kriegsverlauf bildeten sich militärische Allianzen, die als Achsenmächte und Alliierte (Anti-Hitler-Koalition) bezeichnet werden. Hauptgegner des nationalsozialistischen Deutschen Reiches waren in Europa das Vereinigte Königreich mit dem … Premierminister Winston Churchill an der Spitze sowie (ab Juni 1941) die unter der Diktatur Stalins stehende Sowjetunion. … Mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht endeten die Kampfhandlungen in Europa am 8. Mai 1945; die beiden Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki führten zur Kapitulation Japans am 2. 9.1945. … Über 60 Staaten auf der Erde waren direkt oder indirekt am Weltkrieg beteiligt, mehr als 110 Millionen Menschen trugen Waffen.


(3) Blauer Brief ist die umgangssprachliche Bezeichnung für eine Benachrichtigung, mit der die Schule den Eltern eines Schülers (oder dem Schüler selbst, wenn dieser volljährig ist) mitteilt, dass die Versetzung gefährdet ist. …


(4) Luftwaffenhelfer waren Schüler der höheren und der mittleren Schulen, die das 15. Lebensjahr vollendet hatten und mit der Anordnung über den Kriegshilfseinsatz der deutschen Jugend in der Luftwaffe vom 26. Januar 1943 zur Wahrnehmung von Hilfsdiensten bei Einheiten der Luftwaffe herangezogen worden waren. Ihr Einsatz fand ab dem 15. Februar 1943 in erster Linie bei den Flakartillerie statt. …


(5) Der Erste Weltkrieg war ein bewaffneter Konflikt, der von 1914 bis 1918 in Europa, in Vorderasien, in Afrika, Ostasien und auf den Ozeanen geführt wurde. Etwa 17 Millionen Menschen verloren durch ihn ihr Leben, wobei die Schätzungen mit großen Unsicherheiten behaftet sind. Etwa 40 Staaten beteiligten sich am bis dahin umfassendsten Krieg der Geschichte, insgesamt standen annähernd 70 Millionen Menschen unter Waffen. Die wichtigsten Kriegsbeteiligten waren Deutschland, Österreich-Ungarn und das Osmanische Reich einerseits (Kriegsverlierer) sowie Frankreich, Großbritannien und sein Britisches Weltreich, Russland, Italien und die USA andererseits (Kriegsgewinner). …


(6) 1926 gründete die NSDAP die Hitlerjugend (HJ) als Jugendorganisation der Nationalsozialisten, vier Jahre später den Bund deutscher Mädel (BDM). … Der Beitritt zur HJ bzw. zum BDM wurde zur Pflicht, aber nicht jeder durfte Mitglied werden. Die Kranken und Schwachen wurden zurückgewiesen und die Juden waren von der Zugehörigkeit zur HJ ausgeschlossen. Auch wenn einige Eltern es nicht gerne sahen, wenn ihre Kinder in die HJ gehen wollten, sie davon abzuhalten war nicht leicht. Wer dies dennoch versuchte, dem drohten Geld- und Gefängnisstrafen. 1939 hatte die Hitlerjugend deshalb fast neun Millionen Mitglieder. Die Zehn- bis 14-Jährigen dienten im Deutschen Jungvolk oder beim Jungmädelbund, die 14- bis 18-Jjährigen in der HJ oder im BDM.

Schon Zwölfjährige lernten damals das Schießen mit Karabinern und später auch den Umgang mit der Panzerfaust. 1943 waren die meisten Flakgeschütze mit Hitlerjungen besetzt. Mit der Ausrufung des "Totalen Krieges" Anfang 1943 führten die Nationalsozialisten das Notabitur ein, das es ermöglichte, dass nun auch Halbwüchsige in den Krieg ziehen konnten.


(7) Flakhelfer oder Flakwaffenhelfer waren im Zweiten Weltkrieg an Flugabwehrkanonen (Flak) bei Luftwaffe und Kriegsmarine (Marine-Flak) eingesetzte Minderjährige. Die weitaus größte Gruppe stellten die Schüler der Geburtsjahrgänge 1926 bis 1928. Ab 5. Januar 1944 wurden auch Mittelschüler des Geburtsjahrgangs 1928 und ab August 1944 Lehrlinge des gleichen Geburtsjahrgangs aus den gewerblichen und kaufmännischen Bereich eingesetzt. Nach der heute weltweit gebräuchlichen Begriffsbestimmung könnten diese im weiteren Sinne nachträglich zu den Kindersoldaten gezählt werden.

Quelle: wikipedia. org


Auszug aus „Meistens hab ich Glück gehabt“, erzählt von Dieter H., aufgeschrieben von Marlis S. (2019), bearbeitet von Barbara H. (2024)

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