10.000 Flüchtlinge auf einem Dampfer

Reinhard T. wurde 1934 in Scharfenberg (heute Bystra) bei Wetzlaff/Danzig (ehemals Ostpreußen) auf dem Hof seines Großvaters geboren. Ab dem dritten Lebensjahr bis zur Flucht am 25. März 1945 wuchs er auf dem elterlichen Hof in Wesslinken, zwölf Kilometer von Danzig entfernt, auf.

Er war noch nicht ganz elf Jahre alt, als die Familie 1945 aus Wesslinken bei Danzig (ehemals Ostpreußen) vertrieben wurde. Da war die unbeschwerte Zeit, unbelastet von den Zeitgeschehnissen, vorbei. Nach der Flucht nach Kopenhagen gelang der Neuanfang in Deutschland.



Wir wurden ver- und getrieben

Es war nicht so, dass wir, meine große Familie und ich, mal eben so gegangen sind, nein, wir mussten raus, wir sind getrieben, ja vertrieben worden. Vater durfte nicht mit. Von den deutschen Behörden sind wir dazu gedrängt worden.

Wir wollten ja auch alle nur weg, weil wir wussten, dass die Russen kommen. Zuerst hatte Erich Koch, der zu Hitlers Führerzeit Gauleiter war, die Flucht der Leute unterbunden, dann war er einer der ersten, der ging. Da war das Chaos natürlich perfekt, und die Leute mussten sehen, wie sie auf eigene Faust wegkamen.

Und es war höchste Eisenbahn, da die russische Front schon sehr nahe gekommen war und drohte, uns zu überrollen. Hauptmann Franschick hat das dann organisiert, dass die Leute mit den Schiffen weg kamen.

Ich habe natürlich auch die langen Trecks aus Ostpreußen noch vor Augen, die dann am Weichseldamm entlangzogen. Sie kamen von Königsberg, um bei Danzig ein Schiff zu besteigen. Als schlimmsten Moment erinnere ich mich noch an den endlosen Treck, der bei minus 20 Grad Celsius im tiefen Schnee bei uns auf dem Weichseldamm vorbeizog – ganz mucksmäuschenstill. Kein Wort hörte ich, gar nichts, man sah sie nur dahinrollen. Das war mein allerschlimmstes Kriegserlebnis.

Das ist uns, das heißt, meiner Familie, Gott sei Dank, erspart geblieben. Zur Familie gehörten neben meiner Mutter Wanda fünf Kinder, außerdem die Großeltern väterlicherseits, Tante Frieda, deren Töchter Annelie und Rosemarie, Tante Ella mit drei Töchtern, noch eine Cousine mit deren Mutter und den Kindern Inge, Ilse, Karin, Reinhard und Luise.

Schicksal von Vater Kurt

Vater ist auf dem Hof zurückgeblieben. Er durfte nicht raus. Er war kein Soldat, obwohl er zum Jahrgang 1906 gehörte und somit im wehrfähigen Alter war. Er war ein hervorragender Landwirt und hatte mehrere Höfe kommissarisch für diejenigen Landwirte, die im Krieg waren, während dieser Zeit in Wesslinken weiter geführt. Er organisierte die gesamten Wirtschaften samt Viehhaltung und Hofleuten.

Die Ernährung der Bevölkerung musste aufrecht erhalten werden. Die Kettenhunde der deutschen Militärpolizei (mit Blechmarke vor der Brust) haben genau kontrolliert, wer raus durfte, wer nicht. Vater wusste aber schon vorher, dass er nicht raus durfte. Wahrscheinlich musste er auch noch zum Volkssturm (1), zumindest formell.

Vater war 39 Jahre alt, also noch jung. Nur Verwundete, Kinder, Frauen und Alte durften raus.

Vater wollte sich wohl von uns verabschieden und rief uns einzeln in sein Schlafzimmer. Da lag er in voller Montur auf dem Bett. Ich habe damals gar nicht begriffen, was er wollte. Ich habe überhaupt nichts empfunden. Von ihm kam keine Erklärung, keine Umarmung, keine Tränen. Er hat sich nichts anmerken lassen. Ich habe nichts verstanden.

Es ging los: In Netzen wie eine Herde Schafe hoch auf den Dampfer gehievt

Auf einmal gab es den Befehl, dass wir raus mussten. Dänemark war von Deutschland besetzt, also handelte es sich offiziell um eine Flucht in „deutsches Gebiet“. Soldaten und Zivilisten wurden ausgeschifft – Hauptmann Franschick hatte es veranlasst.

Meine Mutter, sie war 36 Jahre alt, brach mit uns fünf Kindern auf. Es war tagsüber, am 23. März 1945. Mutter hatte Udo, den Jüngsten, auf dem Arm. Vater begleitete uns nur bis zur Weichsel. Auf der Brücke versperrten ihm deutsche Soldaten den Weg. Wir hatten außer Essen und Trinken und etwas Winterbekleidung nichts weiter dabei, vielleicht noch ein paar Fotos und etwas Silberbesteck.

Wir zogen von Wesslinken nach Bohnsack (2), dem Ort, in dem die Großeltern wohnten und sich auch einige Verwandte aufgehalten hatten. Sie mussten auch ihre Heimat verlassen.

Ich weiß bis heute nicht, wie die sich untereinander informiert hatten, denn Telefon besaß damals kaum einer. Zu der Zeit war der Russe schon bis Danzig gekommen.

Die Stadt brannte, das sahen wir tagelang durch einen Feuerschein. In Bohnsack stand ein Prahn, eine Panzerfähre, auf die 30 Personen passten und die für flache Gewässer geeignet war. Der Prahm pendelte ständig zwischen Bohnsack und Hela auf der Halbinsel Putzinger Nehrung (3). Die ganze Familie verbrachte eine Nacht in Hela, wurde dann mit Kuttern übergesetzt zu dem Dampfer „Deutschland“. Dort sind wir in Netzen wie eine Herde Schafe per Kran hochgehievt worden. Unserer Schwester Christa ist dabei hundeübel geworden, wir Brüder hatten aber keine Angst.

Das Schiff war überladen und wurde beschossen

Der Dampfer „Deutschland“ war mit 10.000 Flüchtlingen vollkommen überladen, denn er war nur für 4.000 Personen ausgelegt. So wurden in einer Kabine mit vier Betten 15 Personen untergebracht, es blieben auch Leute an Deck oder auf den Treppen. Mit dem Dampfer ging es nach Kopenhagen, dann mit dem Zug in das Lager Vejle und gleich weiter in das Lager Skrydstrup (für ein Jahr), danach ins Lager Oksbol (zwei Jahre).

Auf der „Deutschland“ habe ich mich immer auf Deck herumgetrieben, da hatte ich wenigstens Platz. Dann sah ich ein deutsches riesiges Schlachtschiff. Das war für mich einfach nur interessant.

Die Vierlingskanone mit etwa je 100 bis 200 mm Durchmesser feuerte aus allen Rohren nach Danzig hinein, das schon von den Russen eingenommen worden war. Ich dachte aber damals schon: Mein Gott, damit haben wir nichts zu tun. Das war für mich mit meinen fast elf Jahren einfach nur aufregend. Dann ballerte auch die Vierlingsflak unseres Dampfers los. Da habe ich sogar 15 cm lange Munition entdeckt. Als ich die meiner Mutter zeigte, wurde sie ganz bleich und schickte mich sofort zurück, sie wieder zurückzulegen.

Einmal sind wir auf der Überfahrt auch von den Russen bombardiert worden. „Licht aus!“, hallte es durch das Schiff. Ein russischer Flieger hatte haarscharf eine Bombe an der Heckreling vorbei ins Wasser abgeworfen. Die machte keinen Schaden, es war nur ein Streifschuss. Und U-Boote kamen glücklicherweise auch nicht auf. Allerdings haben wir aus der Ferne ein Lazarettschiff mit Schlagseite gesehen.

Wir haben Glück gehabt, wir kamen alle heile durch. Die Tanten, Onkel, Cousinen und Cousins habe ich dann erst richtig im Flüchtlingslager in Dänemark kennen gelernt. Meine Mutter hatte viel Unterstützung von den Verwandten für sich und uns fünf Kinder erfahren, es war nicht leicht, ohne meinen Vater. Ich weiß, dass wir viel miteinander gesprochen haben. Das war eine gute psychologische Hilfe.

Das Glück hatten nicht alle

Wir erfuhren später, dass ein anderer Teil der Verwandtschaft, ein Ehepaar mit zwei Söhnen und dem Großvater auf dem heimatlichen Hof geblieben waren. Der Hof erlitt Bombeneinschläge und alle sind dann nach Danzig marschiert. Sie sind unter unwürdigsten Bedingungen am Rande Danzigs hängen geblieben und vegetierten dahin.

Der Ehemann wurde von den Russen verschleppt, ist nie wieder aufgetaucht. Seine Frau wurde zig-mal vergewaltigt. Der Großvater ist bei Bekannten auf einem Dorf verstorben. Er hatte es nicht mehr ertragen. Sein Sohn hat bei den Polen im Gefängnis gesessen, hat Leichen geschleppt. Alle deutschen Jungen wurden von den Russen und Polen als kleine Hitler betrachtet. Sie haben sich zur Verkleidung Kopftücher umgebunden wie die jungen Mädchen sie hatten, damit sie wie alte Frauen aussahen. Dem Sohn und seiner Familie hat das nichts genutzt, sie wurden Anfang 1946 ausgewiesen in die ehemalige DDR bei Berlin.

Die Lager in Dänemark: Deutsche nicht willkommen

Die Lager in Dänemark waren ursprünglich deutsche Militärlager. Als wir in einem Lager ankamen, wurden erst einmal die Militärfahrzeuge heraus geräumt. Die Lager hatten eine deutsche Leitung unter dänischer Oberleitung. Die Lagerleitung organisierte das gesamte Leben in den Lagern, die mit Stacheldraht umzäunt waren und nicht verlassen werden durften.

Die Dänen wollten den Kontakt zwischen Deutschen und Dänen auf alle Fälle unterbinden. Die Deutschen verursachten nur Arbeit und Kosten.

Willkommen waren wir nicht. Die Deutschen sollten Dänemark wieder verlassen. Wegen der Wohnungsnot in Deutschland haben die Briten dies noch ein paar Jahre aufgehalten. Die Soldaten wurden zuerst abgezogen. Mit Gesang marschierten sie aus dem Lager und wurden zur Entlassung aus dem Militärdienst wahrscheinlich zunächst ins britische Auffanglager nach Munsterlager in Deutschland gebracht. Das hat uns Jungs noch begeistert. Wir verbrachten dort ca. sechs Wochen bis zum 5. Mai 1945, bis zur deutschen Kapitulation in Dänemark.

Dann ging es weiter mit dem Güterzug ins nächste Lager, Skrydstrup. Dort blieben wir ein Jahr. Das Lager war auch mit Stacheldraht umzäunt. Hier habe ich mein erstes Eis gegessen. Ich wusste ja überhaupt nicht, dass es so etwas gab. In meiner Heimat Wesslinken war Eisessen unbekannt.

Das Lager bestand aus zwei Barackenreihen mit einem breiten Mittelweg. 1.300 bis 1.500 Flüchtlinge sollten hier Aufnahme finden. Es handelte sich um Baracken einfachster Bauart, sehr reparaturbedürftig. Im kalten Winter bildeten sich im Innenraum der Baracke dicke Schneewehen. Kein Wunder bei den Spalten zwischen den Brettern an den Außenwänden. Als Sanitäranlagen dienten ein paar notdürftig aufgestellte Plumps-Klos für die 1.300 Menschen. Es gab dort keinen Baum und keinen Strauch.

Während dieser Zeit kam mein Bruder Günter für ein Jahr in ein KLV-Lager (Kinderlandverschickung) (4) bei Kolding (5), in das auch ein Helmholtz-Gymnasium aus Berlin verlegt worden war, das er dort besuchen konnte. Durch einen Auftritt einer Schüler-Theatergruppe in unserem Lager war er mit dieser Schule in Kontakt gekommen und nutzte die Gelegenheit. Hier erfuhr er auch von einem Pastor, dass unser Vater noch lebte und inzwischen in Deutschland angekommen war – ein Moment höchsten Glücks.

Schule, Kultur und Leben im Lager

Wir anderen vier Kinder verblieben in dem Lager ohne Schulunterricht. Dann ging es im Juli 1946 mit dem Güterzug weiter in ein nächstes Lager, Oksbol, in dem wir bis Juli 1948 blieben, also zwei Jahre. Hier waren ca. 20.000 Flüchtlinge im Barackenlager untergebracht, ausgelegt war das Lager für 30.000 Soldaten, es war ebenfalls mit Stacheldraht eingezäunt. Außen herum sind Wachposten gelaufen. Aber es gab keine Wachtürme, Scheinwerfer oder Hunde.

Fraternisierung (6) mit den Dänen war nicht erlaubt. Doch trotz der vielen Menschen auf engem Raum gab es kaum Konflikte. Und das, obwohl wir ja auch gar nicht aus dem Lager hinaus durften. Wir hatten aber nie das Gefühl, eingesperrt zu sein. Das Lager war groß genug, wir hatten Auslauf. Wir waren alle irgendwie beschäftigt.

Alle wurden zu irgendwelchen Arbeiten eingeteilt. Es gab auch genügend Sportgelände. Ich hatte Schulfreunde, auch aus der Baracke. Ich habe da vollkommen in Frieden gelebt. Wir Kinder gingen zur Schule, es gab genügend soziale Beschäftigungen wie Theater und Chor. Der Mutter eines Freundes gelang es sogar mehrmals, unbemerkt durch den Zaun zu entwischen, um ihre dänischen Verwandten zu besuchen. Es war also nicht sehr gefährlich.

Mein Bruder Günter stieß 1946 wieder zur Familie, denn die KLV-Lagerschule kehrte nach Berlin zurück. Hier hatte die deutsche Lagerleitung aber einen gymnasialen Unterricht mit deutschen Lehrern (Flüchtlingen) organisiert, so dass er später in Rendsburg (7) – unserem späteren Neuanfang in Deutschland – nahtlos im dortigen Gymnasium weitermachen konnte.

Es wurde auch deutsche Literatur unterrichtet und es gab ein Theater (Intendant vom Danziger Schauspielhaus), auch einige kleinere Bühnen und Kinos, also wurde kulturell ein recht hoher Standard geboten, gestaltet von geflüchteten Profis. Es gab viele hochklassige Vorträge über alle möglichen Themen, auch Musikvorträge. Das Lager bot eine große kulturelle Vielfalt, die kostenlos war. Günter mit seinen bald 17 Jahren hat das voll ausgeschöpft. Ich war noch zu jung mit fast 13 Jahren und noch sehr mit Spielen beschäftigt und habe dummes Zeug gemacht, z.B. Dachlatten geklaut und Stelzen daraus gebaut.

Eigentlich war alles Nötige vorhanden

In einer Baracke waren 30 bis 40 Leute untergebracht und mit zweistöckigen Betten ausgestattet. Rechts und links trennten "spanische Wände" (Decken) die Familien voneinander. Unsere Habseligkeiten lagen im Koffer unter dem Bett. Gewaschen haben sich die Leute aus Schüsseln hinter einem Vorhang.

Ob ich mich überhaupt gewaschen habe? Duschen war unmöglich, und Toiletten befanden sich in der Toilettenbaracke, in der 15 Klosetts nebeneinander angebracht waren, alles offen, keine Tür davor.

Ich sehe noch meinen Großvater dort sitzen – er wäre am liebsten im Erdboden versunken und ich auch. Es war entwürdigend! Doch wenigstens waren Männer und Frauen durch eine Holzwand als Sichtschutz getrennt.

Kleidung haben wir gespendet bekommen, meist wohl aus USA. Wir wurden auch mit Schulsachen versorgt, es war eigentlich alles Nötige vorhanden. Aber meist sind wir mit selbstgemachten Holzpantoffeln herumgelaufen.

Hier bin ich auch zur Schule gegangen, in eine große Schule. Ich war auf der Oberschule, Günter auf dem Gymnasium, aber in verschiedenen Gebäuden. Der Erdkundeunterricht fokussierte nur auf Spanien, Italien, Griechenland, nichts über Deutschland. Ich habe auch Geschichte in der Schule gehabt, aber nur die Antike: Ägypten, Persien, Italien (Römer), Griechenland (die alten Griechen). Es gab keine deutsche Geschichte. Bis zur siebten Klasse war ich dort, den Schulabschluss nach der achten Klasse habe ich 1949 in Rendsburg gemacht. Wir haben Jungenfreundschaften geschlossen, Wettkämpfe gemacht, Stelzen gebaut. Die Schule hat den Ablauf bestimmt.

Günter hatte Konfirmandenunterricht und wurde in dem Lager konfirmiert. Ich sang in einem Chor, eine Mädchenstimme. Wenn ein Junge zu sehr gebrummt hatte, gab es eine ordentliche Kopfnuss. Günter war in einer Schauspielgruppe aktiv. Unsere Mutter stand auch auf der Bühne und sang im Chor.

Auf einmal hieß es, wir gehen nach Deutschland zurück, nach Rendsburg. Das war 1948 und das war für mich kein Freudentag. Ich wusste gar nicht, wo Rendsburg lag. Meine Mutter hatte schon Briefkontakt mit dem Vater gehabt. Ich weiß nicht, wie die Post nach Dänemark gekommen war. Da war mein Vater schon in Lensahn/Ostholstein und hat die Mutter über das Rote Kreuz gefunden. Drei Jahre hatten wir Vater nicht gesehen, die Ereignisse hatten sein Bild verdrängt. Aber er war schon wieder in körperlich guter Verfassung. An das Wiedersehen kann ich mich gar nicht erinnern. Er war auf einmal da.

Das Lagerleben empfand ich wie ein Feriencamp

Wenn ich so zurück blicke, habe ich die Flucht nach Dänemark damals als fast Elfjähriger eher als großes Abenteuer empfunden und das Lagerleben als Feriencamp. Den Ernst der Lage habe ich zu der Zeit gar nicht erfasst. Es war ein Ausbruch aus der dörflichen Enge, wo ich so etwas niemals erlebt hätte. Es war ein Schritt in die große weite Welt.

Wann wäre ich jemals mit dem Schiff über die Ostsee gefahren? Plötzlich war ich umgeben von so vielen Menschen aus den verschiedensten Bildungsschichten. Es gab eine große Schule mit einem Klassenraum je Jahrgang, Kino und Theater. Und es gab Eis am Stiel! Das war alles neu und überwältigend. Es gab so viel zu entdecken. Und schließlich befand ich mich in Sicherheit und es gab genug zu Essen. Ich hatte Kleidung zum Anziehen. Mir ging es bestimmt besser, als so manchen deutschen Jungs in Nachkriegsdeutschland.

Insofern war das Leben im Lager wunderschön – verglichen mit dem, was die Deutschen in den ausgebombten Städten erlebt haben.

(1) Der Deutsche Volkssturm war eine deutsche militärische Formation in der Endphase des Zweiten Weltkrieges. Er wurde nach einem von der NSDAP ausgehenden propagandistischen Aufruf an alle waffenfähigen Männer im Alter von 16 bis 60 Jahren außerhalb der vorherigen Wehrpflicht gebildet, um den „Heimatboden“ des Deutschen Reiches zu verteidigen, „bis ein die Zukunft Deutschlands und seiner Verbündeten und damit Europas sichernder Frieden gewährleistet“ sei. Ziel des Aufrufs war, die Truppen der Wehrmacht zu verstärken.

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(2) Bohnsack (heute Sobieszewo/Polen) ist der Hauptort des Danziger Stadtbezirks Wyspa Sobieszewska in der Woiwoodschaft Pommern in Polen. Bohnsack war ein Fischerdorf auf der Danziger Nehrung.

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(3) Die Halbinsel, die etwa 20 km nördlich von Danzig liegt, … trennt die Danziger Bucht teilweise von der Ostsee und bildet dabei die Putzinger Bucht. Die Landzunge ist zwischen 200 Metern und drei Kilometer breit ...

Bei Ende des Zweiten Weltkrieges war die Halbinsel ab März 1945 letzter Zufluchtsort von deutschen Einheiten und Zivilflüchtlingen, da die langgestreckte Halbinsel militärisch leicht zu verteidigen war. Die beiden Häfen in Hela waren zugleich die letzte Möglichkeit für die Evakuierung auf dem Seeweg. Daher flohen bereits im März über 100.000 deutsche Zivilisten nach Hela, im April kamen weitere 265.000 hinzu...

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(4) Die Bezeichnung „Kinderlandverschickung (KLV)“ wurde vor dem Zweiten Weltkrieg ausschließlich für die Erholungsverschickung von Kindern verwendet. Heute wird unter diesem Stichwort meistens an die „Erweiterte Kinderlandverschickung“ gedacht, bei der ab Oktober 1940 Schulkinder sowie Mütter mit Kleinkindern aus den vom Luftkrieg bedrohten deutschen Städten längerfristig in weniger gefährdeten Gebieten untergebracht wurden. Die „Reichsdienststelle KLV“ evakuierte bis Kriegsende insgesamt wahrscheinlich über 2.000.000 Kinder und versorgte dabei vermutlich 850.000 Schüler im Alter zwischen 10 und 14 Jahren, aber auch ältere in KLV-Lagern.

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(5) Kolding ist eine Hafenstadt in Dänemark, heute die größte Stadt im Städtedreieck Trekantomrädet und ein Knotenpunkt des Nord-Süd und Ost-West-Verkehrs durch Dänemark und Nordeuropa.

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(6) Als Fraternisierung, auch Fraternisation (Verbrüderung – von lateinisch frater: „Bruder“) wird im Krieg bzw. in der Besatzungszeit die Zusammenarbeit von Soldaten einander feindlich gesinnter Kriegsparteien oder zwischen Besatzungssoldaten und der einheimischen Bevölkerung bezeichnet. Oft ist die Fraternisierung den Soldaten durch die militärische Führung verboten.

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(7) Die Stadt Rendsburg liegt in der Mitte Schleswig-Holsteins am Nord-Ostsee-Kanal und am historischen Ochsenweg. Sie verbindet die beiden Landesteile Schleswig und Holstein.

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Alle Quellen: wikipedia

Auszug aus „Reinhard und Edith T. erzählen aus ihrem Leben in Kriegs- und Nachkriegszeiten“, hier: Erzählung von Reinhard T. zu Flucht und Krieg, aufgeschrieben von Bernhard S. (2016), bearbeitet von Barbara H. (2022)

Foto: Franz P. Sauerteig/Pixabay