Hitler-Reden im Unterricht: "Schwer zu ertragen"

Ursula, geb. 1925, wuchs in Düsseldorf auf und besucht dort eine Privatschule für Mädchen. Nach dem Bombenangriff auf die Stadt in 1943 zieht sie mit ihrer Mutter nach Miltenberg, wo sie an einem Jungengymnasium aufgenommen wird und dort das Abitur ablegt.



Besuch der Privatschule


Ich besuchte keine staatliche, sondern eine Privatschule, das Müller-Lyzeum, das von der 1. Klasse bis zum Abitur führte. Hier lernten katholische, evangelische und auch jüdische Kinder gemeinsam; es war also eine fortschrittliche Einrichtung. Meine Lieblingsfächer waren Mathematik und Naturwissenschaften.



Arbeitseinsätze


Während der Schulzeit mussten wir verschiedene Arbeitseinsätze absolvieren. So habe ich auf einer Säuglingsstation und einige Wochen in einer Friedhofsgärtnerei gearbeitet. Dort musste ich Erdlöcher graben und Blumen einsetzen. Mittags Punkt 12 Uhr kam der Besitzer, schloss die Tür des Geschäfts ab und gab uns ein dickes Schinkenbrot – köstlich!



Veränderungen in der Schule


In der Hitlerzeit änderte sich einiges: meine Schule wurde aufgelöst. Sie war ja eine Privatschule und wurde, ebenso wie die katholische St. Anna Schule, dem Goethe Gymnasium angeschlossen. Die meisten Lehrer waren gegen das Naziregime eingestellt. Aber man musste vorsichtig sein und wissen, wem man was erzählte.


Jede Woche mussten wir Hitler-Reden anhören, die manchmal mehrere Stunden dauerten. Das war schwer zu ertragen!



Der Mathelehrer erschien plötzlich in Uniform.


Die jüdischen Mitschülerinnen wurden ausgegrenzt und verschwanden eines Tages, was uns sehr geschockt hat, wir aber damals gar nicht verstanden haben. Die Tochter eines berühmten Malers war meine Mitschülerin. Auch sie verschwand plötzlich mit ihrer Familie, weil ihr Vater als „entarteter“ Künstler galt.


Bei dem Bombenangriff auf Düsseldorf in 1943 wurde die Schule völlig zerstört; und damit waren auch alle Unterlagen vernichtet. Als ich mich nach der Evakuierung nach Miltenberg dort in dem Gymnasium anmeldete, konnte ich kein Zeugnis vorlegen. Ich musste mich einfach beweisen und schaffte das Abitur in der vorgegebenen Zeit.


Auszug aus "Ursula N. – Mein bewegtes Leben", erzählt von Ursula N., geschrieben und Auszug verfasst von Marion PK


Titelfoto: Lolame/Pixabay