Erst Begeisterung für die Fliegerei, dann zerstörte Häuser

Werner erzählt, dass er als 13. Kind einer Bergarbeiterfamilie in Bochum 1928 geboren wurde. Da seine Mutter bei seiner Geburt gestorben war und sein leiblicher Vater sich neben seiner Arbeit nicht um seine Familie kümmern konnte, wuchs er bei Tante Anna und Onkel Karl in Düsseldorf auf, die er als seine Eltern ansah.

Werners Schulzeit

Ich besuchte die Volksschule auf der Sonnenstraße, mein Lehrer hieß Herr E. Er war zwar begeisterter Nationalsozialist, aber einer, der in seiner Art sauber und korrekt war. So organisierte er in meiner Klasse, dass diejenigen Kinder, die aus einer etwas reicheren Familie kamen, für die ärmeren Kinder (zum Beispiel aus dem Waisenhaus) ein Butterbrot für die Pause mitbrachten.

So bekam auch ich regelmäßig von einem Mitschüler ein Butterbrot, denn der Lehrer kannte unsere Lebensverhältnisse. Als mein Vater 1937 dann wieder Arbeit bekam, hat meine Mutter in der Schule Bescheid gesagt, dass ich jetzt kein Butterbrot von anderen mehr brauchte. Das hat dem Lehrer E. sehr imponiert. Er wurde übrigens später im Krieg schwer verletzt.

Eines Tages starb einer meiner Mitschüler im Alter von sieben oder acht Jahren. Die ganze Klasse sollte an der Beerdigung teilnehmen. Herr E. mahnte uns, möglichst dunkel bekleidet zu erscheinen. Das erzählte ich meiner Mutter. Die war jedoch furchtbar stolz auf einen weißen gestrickten Gamaschenanzug (1), den eine meiner Schwestern mir geschenkt hatte. Dazu gehörte auch noch eine weiße Baskenmütze. Das alles musste ich am Tag der Beerdigung anziehen.

Als Lehrer E. mich sah, rief er entsetzt aus: „Werner, zieh wenigstens die weiße Mütze aus! Und dann stell dich ins mittlere Glied, wo du am wenigstens auffällst.“

Ich habe das alles damals nicht verstanden. Meine Mutter hatte mir gesagt, die Trauerfarbe für ein totes Kind sei Weiß. Auch der Kindersarg sei weiß. Alle meine Klassenkameraden, die fast alle arm waren und kaum Kleidung besaßen, waren angemessen dunkel gekleidet. Ich glaube mich zu erinnern, dass ein Raunen durch die Trauergemeinde ging, als sie mich sahen.

Mein Lieblingsfach war Erdkunde. Aber Turnen gefiel mir auch gut, und im Rechnen war ich ziemlich gut.

Was ich gar nicht gern hatte, war Sprachlehre. Als Oberbilker Jung‘ durfte ich zwar „mein“ und „dein“ nicht verwechseln, aber „mir“ und „mich“ gingen munter durcheinander. Das nahmen wir nicht so genau.

In einem meiner Zeugnisse stand: „Werner könnte mehr leisten, wenn er sich mehr anstrengen würde.“

Der Krieg hatte begonnen

Nach dem 4. Schuljahr kamen wir für zwei Jahre in die Schule auf der Höhenstraße. Eigentlich sollten wir danach wieder zur Sonnenstraße, aber dort waren inzwischen Soldaten einquartiert. Der Krieg (2) hatte begonnen, und wir größeren Kinder wurden für Luftschutz-Nachtwachen eingeteilt. Wir waren Melder bei Fliegeralarm. 1942, mit 14 Jahren, habe ich die Schule beendet.

Die Jugendorganisationen waren von den Nationalsozialisten (3) gleichgeschaltet worden. Für die Zehn- bis 14-Jährigen gab es das Jungvolk, Mädchen waren bis 14 Jahren bei den „Jungmädeln“ (4). Ich war auch beim Jungvolk. Dort machten wir interessante Geländespiele.

Mir gefiel das, wie den meisten Jungen, zumal es keine politischen Belehrungen gab. Da ich von der Fliegerei begeistert war, trat ich dann in die Flieger-HJ ein, eine der Sonderformationen der Hitler-Jugend. Ich war in verschiedenen Fliegerlagern und lernte aktiv das Segelfliegen, zuerst nur den Berg hinunter im Gleitflug, dann mit der Seilwinde. In meinem Flugbuch sind auch einige „Bumslandungen“ verzeichnet, bei denen die Landung nicht so glatt ging.

Die Segelfliegerprüfung habe ich im Februar 1944 auf dem Flughafen Köln-Butzweilerhof (5) gemacht. Ich hatte nur die zweite Tauglichkeitsstufe, weil meine Sehkraft auf dem rechten Auge eingeschränkt war.

Mein Cousin Richard war das Idol meiner Jugend, denn er war Flieger. Schon vor dem Krieg war er Segelflieger, und im Krieg flog er Bomber vom Typ He 111. Er war Oberfeldwebel und hatte das Eiserne Kreuz in Gold sowie das Deutsche Kreuz (6) bekommen. Wir Jungen fanden ihn toll, vor allem, wenn er mal dicht über das Haus seiner Mutter in Meinerzhagen flog und wir ihm winken konnten.

Tragische Angriffe

Am 31. Juli 1942, als Richard bereits drei Einsätze geflogen war und den Urlaubsschein schon in der Tasche hatte, denn er wollte sein neugeborenes Kind sehen, musste er noch einen weiteren Flug unternehmen. Ein Kriegsberichterstatter wollte aus der Luft Aufnahmen machen. Der Flug ging nach Birmingham/England (7), das von den Deutschen bombardiert wurde.

Auf dem Rückflug wurde seine Maschine abgeschossen. Nur er und ein weiterer Soldat konnten sich mit dem Fallschirm retten. Alle anderen Flugzeuginsassen überlebten den Absturz nicht.

Richard kam in kanadische Kriegsgefangenschaft, sein Kind konnte er nicht sehen. Seine Familie lebte in Dortmund, und bei einem englischen Bombenangriff kam seine neugeborene Tochter ums Leben. Sie war auf dem Arm ihrer Oma, die die Treppe hinabstürzte, aber selbst überlebte.

Was für eine Tragik: Richard bombardiert englische Häuser, und seine Tochter wird Opfer der englischen Bomben. Solange er lebte, konnte Richard nicht über das im Krieg Geschehene sprechen. Er hat den Tod seiner ersten Tochter nie verwunden.

Nach dem Krieg bekamen Richard und seine Frau eine weitere Tochter, Monika. Sie wollte gern mehr über ihren Vater und das Schicksal ihrer früh verstorbenen Schwester erfahren, aber es wurde in ihrer eigenen Familie darüber nicht gesprochen.

Meine Frau und ich informierten Monika dann über das Schicksal des Vaters. In den letzten Lebensjahren, nach dem Tod seiner Frau Elli, bekam Richard Alzheimer und starb vor zwei Jahren.

Bombenalarm

Eine Luftmine war die erste Bombe, von der meine Familie betroffen war. Sie fiel im Herbst 1942 hinter unser Haus auf der Linienstraße. Die Häuser im Areal Höhenstraße und Linienstraße wurden schwer beschädigt. Alle Rückwände waren praktisch verschwunden. Einigen Menschen platzten durch den Luftdruck die Lungen.

Unser Haus wurde so stark beschädigt, dass wir nicht mehr dort wohnen bleiben konnten. Wir wurden auf der Ellerstraße bei einer Familie einquartiert. Auf dieser Straße bekamen wir Anfang 1943 eine sehr schöne neue Wohnung – sogar mit Innentoilette. Meine Mutter war stolz darauf und auf die neuen Möbel, die sie anschaffen konnte. Wir waren, wie man so sagt „die Treppe hoch gefallen“.

Aber die Freude dauerte nicht lange – nur ein paar Monate, bis zum Pfingstangriff 1943. Dabei flogen mehrere hundert viermotorige Bomber (Foto oben: Boing B17) in drei Wellen über Düsseldorf und warfen ihre Bombenlast ab. Sie kamen von Westen und lösten über dem Rhein die Abwürfe aus, damit sie in der Stadtmitte niederfielen und dort explodierten. Wer das nicht erlebt hat, kann es sich kaum vorstellen. Meine Eltern wurden zwar verschüttet, konnten aber irgendwie gerettet werden.

Ich war damals in einem Luftschutzeinsatztrupp in der Nachbarschaft. Neben unserem Haus auf der Ellerstraße wohnte damals der Arzt Dr. B. Er hatte im Keller eine große Weinsammlung. Bei unserem Einsatz kamen wir durch diesen Kellerraum, und einer meiner Kameraden schlug vor, eine Flasche Wein „mitgehen“ zu lassen. Ich wollte das nicht. Später haben wir bedauert, keine Flasche mitgenommen zu haben, denn alles war zerstört worden.

Selbst Dr. B. Meinte: „Ihr hättet besser noch etwas von dem guten Wein getrunken.“ Er war auf einer Rettungsstelle eingesetzt worden und hatte in den Bombennächten viel zu tun.

Obwohl ich eine vom Luftschutzeinsatzkommando gestellte Gasmaske trug, bekam ich eine schwere Rauchvergiftung. Sie waren nur gut gegen Giftgas, gegen Brandbomben konnten sie nichts ausrichten. Wir kamen schließlich wieder nach draußen, weil schon Bagger dabei waren, die Eingänge freizuschaufeln. Dort stand dann mein Bruder Herbert, der nach Düsseldorf gekommen war, als er von den Zerstörungen gehört hatte. Er musste aber rasch wieder zu seiner Einheit zurück. Die Ellerstraße war durch den englischen „Bombenteppich“ fast komplett zerstört. Kaum ein Haus blieb unbeschädigt. An der Ecke Höhen-/Ellerstraße war ein riesiger Bombentrichter entstanden, der rasch voll Wasser lief, denn die Wasserleitung war getroffen worden. Dieses Wasser wurde dann als Löschwasser verwendet.

Wohnen in den Trümmern

Meine Familie zog wieder in das Haus auf der Linienstraße. Da gab es zwar keine Fensterscheiben, aber was blieb uns anderes übrig? Für die Verpflegung wurde gesorgt. Überall standen Feldküchen und mit unserem amtlichen „Bombengeschädigtenschein“ bekamen wir dort etwas zu essen. Meine Mutter war untröstlich, weil wieder alles kaputt war. Auch die durch die Brandbombe beschädigte Holztreppe war nur notdürftig geflickt worden.

Auf der Linienstraße gab es eines Tages ganz plötzlich – es muss im November 1943 gewesen sein – einen furchtbaren Luftangriff. Ich stand auf der Straße und rannte auf die andere Seite, wo Freunde wohnten. Ich suchte Schutz in ihrem Keller. In diesen Keller war eine Bombe gefallen, ein sogenannter „Ausbläser“, ein Blindgänger. Er fiel oben ins Haus und fiel bis in den Keller - explodierte aber nicht. Wir sind alle mit dem Leben davon gekommen.

Das rote Dreieck

Politische Gefangene, die mit einem roten Dreieck auf der Sträflingskleidung gekennzeichnet waren, mussten die Blindgänger aus den Häusern holen. Dafür sollten ihnen einige Jahre Gefängnisstrafe erlassen werden, hatte man ihnen zugesichert.

Durch eine andere Brandbombe ohne Sprengsatz kam es zu einem Feuer in einer Nachbarwohnung im zweiten Stock. Die Bombe war im Zimmer liegen geblieben, und wir warfen sie mit Hilfe einer Schaufel aus dem Haus in den Garten. Dadurch ist unser Haus nicht abgebrannt. Für meinen Einsatz beim Feuerlöschen und Helfen bekam ich im November 1943 das Luftschutzehrenzeichen. Insgesamt war die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung in diesen schlimmen Zeiten enorm. Jeder half jedem.

Eines Tages ging ich mit einem Bekannten aus der HJ über die Helmholzstraße. Uns kam ein LKW voll mit Zwangsarbeitern oder Kriegsgefangenen (8) entgegen, darüber war ein Netz gespannt, damit keiner fliehen konnte.

Erwin, der ein absoluter Nazi war, sagte: „Schau mal, da kommt neues Material für unsere Fabriken.“ Mir gefiel dieser Ausspruch nicht, sagte es ihm auch, doch Erwin fuhr fort: „Man muss diese Menschen zu ihrem Glück zwingen.“

Freundschaft zu polnischem Kriegsgefangenen: Kein "Untermensch"

Nach dem Schulabschluss 1942, da war ich 14, wusste ich nicht, wie meine berufliche Zukunft aussehen sollte. Ich war ein ausgesprochener Spätzünder – in jeder Beziehung. Da mich die Laborarbeit interessierte, begann ich eine Lehre als Chemielaborant bei den Deutschen Röhrenwerken in Lierenfeld.

In den ersten Wochen meiner Lehrzeit musste ich nur spülen. Dann lernte ich einen deutsch sprechenden polnischen Kriegsgefangenen kennen, der auch im Labor arbeitete. Dieser Mann, Stanislaus B., der etwa zehn Jahre älter als ich war, spielte eine besondere Rolle in meinem Leben. Er war mit anderen Kriegs- bzw. Zwangsarbeitern in Eller auf der Jägerstraße untergebracht worden. Ich merkte allmählich, dass dieser Stanis gar kein „Untermensch“ war, wie die Nazis es propagiert hatten, sondern dass er ein freundlicher, kultivierter Mensch war, der mir ein Freund wurde.

Wir erzählten uns Witze und brachten uns gegenseitig deutsche und polnische Lieder bei. So lernte ich auch ein wenig Polnisch. Ich kann heute noch polnische Lieder singen. Wir beide verstanden uns immer besser. Manchmal brachte ich Bier aus der Kantine mit und trank es gemeinsam mit Stanis, der als Gefangener nie Bier bekam.

Im September 1944 diskutierten Stanis und ich beim Bier über die Landung der Alliierten in der Normandie (9). Ich sagte: „Wenn es uns nicht gelingt, die Amerikaner innerhalb von zwei, drei Wochen zurückzuschlagen, dann habt ihr den Krieg gewonnen. Wenn nicht, dürfte der Krieg erst in ein bis zwei Jahren vorbei sein“. Stanis war der Meinung, dass der Krieg nicht mehr so lange dauern würde. Er sollte Recht behalten.

Stanis erzählte mir, wie er an der ostpreußischen Grenze in Gefangenschaft geraten war. Sein Vater war verstorben, von seiner Mutter hatte er lange nichts gehört. Sie wohnte in Wilna (heute Vilnius, 10), das damals polnisch war und später sowjetisch wurde.

Eine postalische Kontaktaufnahme zu ihr kam nicht zustande. Es wurde damals nur Feldpost ins Ausland transportiert oder Briefe von Deutschen, die Verwandte im Ausland hatten. Ich hatte Verwandtschaft in Spanien. Ein Bruder meiner Mutter war 1912 als Monteur der Demag nach Madrid gegangen. Er blieb auch während des Ersten Weltkriegs (11) dort, auch wenn zu diesem Zeitpunkt viele Deutsche Spanien verlassen hatten.

Obwohl er eigentlich nur Schlosser war, hat er sich hoch gearbeitet zum Ingenieur und war sehr gut in seinem Beruf. Er hatte Philomena, eine Spanierin geheiratet. Mit ihren Enkeln und Kindern stehen wir noch heute in Kontakt. Ich besaß eine Auslandskontrollkarte, mit der es Deutschen erlaubt war, ins Ausland Briefe zu schicken.

Es war darauf zum Glück nicht vermerkt, in welches Land man etwas schicken durfte. Ich bot meinem Freund Stanis meine Hilfe an und er schrieb also seiner Mutter in meinem Namen einen Brief, den ich dann zur Post trug, wo die Auslandskontrollkarte abgestempelt wurde, und nach zwei oder drei Wochen kam die Antwort von Stanis Mutter an meine Adresse. So funktionierte danach der Briefverkehr zwischen Mutter und Sohn, später auch der zwischen Wladek, einem anderen polnischen Gefangenen, und seiner Frau. Da auch andere Kriegsgefangene von dieser Postverkehrsmöglichkeit Gebrauch machen wollten, wickelte ich dann den Briefwechsel von mehreren Polen über meine Karte ab, allerdings nur ein paar Mal, denn es wurde zu gefährlich. Wenn das bekannt geworden wäre, hätte es für mich unangenehm werden können.

Gefährlicher Briefwechsel

Für Stanis habe ich aber während des ganzen Krieges den Briefverkehr abgewickelt. Die Briefübergabe klappte meistens am Arbeitsplatz im Betrieb. Aber als Stanis mal für eine längere Zeit krank war, musste eine andere Möglichkeit der Übergabe gefunden werden.

Wir verabredeten folgendes: Nach Einbruch der Dunkelheit fuhr ich mit dem Fahrrad zur Jägerstraße und am Lager entlang. Auf der Höhe des Lagers pfiff ich die Anfangsmelodie des polnischen Liedes, auf deutsch: „Du gefällst mir“. Wenn Stanis auf der anderen Seite der Mauer das hörte, pfiff er die Fortsetzung des Liedes, und ich konnte den Brief über die Mauer werfen.

Die Bewacher des Lagers auf der Jägerstraße, in dem Stanis untergebracht war, waren alle sehr alte Soldaten, die für den Kriegseinsatz nicht mehr tauglich waren. Es waren sogenannte Landesschützer, die nur in der Heimat eingesetzt wurden. Als meine Einberufung bevorstand, sagte ich zu Janis: „Pass auf, wenn die Bewachung ausgetauscht wird und die SS (12) als Bewachung kommt, dann musst du verschwinden.“

Mit Zustimmung meiner Mutter riet ich ihm, in unserem Keller Zuflucht zu suchen. Dort lagerten sowieso eine ganze Menge an Lebensmitteln (vor allen Dingen Reis), die Stanis von der amerikanischen YMCA (13) bekommen hatte. In den Paketen waren auch Zigaretten. So hatte ich von Stanis Chesterfield-Zigaretten, die ich zwar nicht rauchte, aber zum Tauschen gut gebrauchen konnte. Der Notfall trat für Stanis glücklicherweise nicht ein. Die Bewachung im Lager blieb, und Stanis musste nicht vor der SS fliehen.

Unvermeidlicher Kriegsdienst

Im Sommer 1944 bekamen plötzlich alle Jungen der Jahrgänge 1927 und 1928 keine Lebensmittelkarten mehr. Sie wurden aufgefordert, sich in einer bestimmten Dienststelle auf der Flingerstraße in der Altstadt zu melden. Dort hielten vier Ritterkreuzträger, einer vom Heer, einer von der Luftwaffe, einer von der Marine und einer von der Waffen-SS, Vorträge über ihre Waffengattung und forderten uns auf, uns freiwillig bei einer der Waffengattungen zu melden. Lebensmittelkarten gab es nur, wenn man an der Veranstaltung teilgenommen hatte.

Am SS-Stand war kaum jemand, obwohl die Angehörigen der SS die besten Uniformen und Waffen sowie die beste Verpflegung bekamen. Und es bestand die Aussicht, später einmal zur Polizei zu kommen. Die Anforderungen an künftige SS-ler waren aber hoch. Man musste eine bestimmte Größe haben, kein Zahn durfte fehlen und auch sonst musste alles „picobello“ sein. Als mich jemand von der SS ansprach und mich zu seinem Stand locken wollte, sagte ich: „Nein, ich will zur Luftwaffe“.

Jeder von uns wusste, dass der Kriegsdienst unvermeidlich war. So konnte man sich aber wenigstens die Waffengattung aussuchen. Ich weiß aber nicht, was mit denen geschehen ist, die sich nicht gemeldet haben. Am nächsten Tag stand in der Zeitung: „Alle haben sich freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet.“. Vielleicht ist das bei dem Schriftsteller Günter Grass ähnlich gelaufen. Er war Jahrgang 1927 und ihm wurde vor kurzem vorgeworfen, er habe sich freiwillig bei der Waffen-SS gemeldet.

Fortsetzung: Mit 16 Jahren Kriegseinsatz in Holland

(1) Als Gamasche wird ein Kleidungsstück bezeichnet, das an das Schuhwerk anschließt und Teil des Fußes und des Beines bedeckt. Beim Gamaschenanzug reicht die Hose bis über die Schuhe wie eine Gamasche.

Quelle: wikipedia

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(2) Der Zweite Weltkrieg wird der zweite global geführte Krieg sämtlicher Großmächte im 20. Jahrhundert bezeichnet. In Europa begann er am 1. September 1939 mit dem von Adolf Hitler befohlenen Überfall auf Polen … Er endete mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht in Europa am 8. Mai 1945.

Quelle: wikipedia

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(3) Der Nationalsozialismus ist eine radikal antisemitische, rassistische, nationalistische (chauvinistische), völkische, sozialdarwinistische, antikommunistische, antiliberale und antidemokratische Ideologie. Seine Wurzeln hat er in der völkischen Bewegung, die sich etwa zu Beginn der 1880er Jahre im deutschen Kaiserreich und in Österreich-Ungarn entwickelte. Ab 1919, nach dem Ersten Weltkrieg, wurde er zu einer eigenständigen politischen Bewegung im deutschsprachigen Raum. …

Nazi ist das Kurzwort für Anhänger des Nationalsozialismus = Nationalist.

Quelle: wikipedia

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(4) 1936 wurde das Gesetz über die Hitler-Jugend (HJ) erlassen. Damit wurde die HJ für alle deutschen Jugendlichen ab dem 10. Lebensjahr zur einzigen Erziehungsinstitution neben Familie und Schule. Sie wuchs bis 1938 auf sieben Millionen Jugendliche an. Mit Erlass der zweiten Durchführungsverordnung zum HJ-Gesetz wurde am 25. März 1939 die Jugenddienstpflicht eingeführt. Nun konnte die Mitgliedschaft in der HJ auch gegen den Willen der Eltern polizeilich erzwungen werden. Damit waren schon die 10-jährigen Jugendlichen zum Eintritt in das Jungvolk gezwungen, Mädchen im „Bund deutscher Mädel“ (BDM), dem weiblichen Zweig der HJ. Darin waren im Sinne der totalitären Ziele des NS-Regimes die Mädchen im Alter von 10 bis 18 Jahren organisiert, den Jungmädelbund der 10- bis 13jährigen Mädchen eingeschlossen. Aufgrund der ab 1936 gesetzlich geregelten Pflichtmitgliedschaft aller weiblichen Jugendlichen, sofern sie nicht aus „rassistischen Gründen“ ausgeschlossen waren, bildete der BDM die damals zahlenmäßig größte weibliche Jugendorganisation der Welt mit 4,5 Millionen Mitgliedern im Jahr 1944. In der HJ wurden „Sonderausbildungen“ in einigen Sonderformationen eingerichtet, die für Jugendliche bestimmte Begabungen oder Interessengebiete attraktiv waren, z.B. die Motor-HJ, die Marine-HJ, die Reiter-HJ, die Gebirgsjäger-HJ und andere.

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(5) Der Butzweilerhof war der erste zivile Flughafen der Stadt Köln. Er wurde im Jahre 1911 angelegt. Heute bezeichnet der Name ein Industriegebiet im Kölner Stadtteil Ossendorf. Im engeren Sinne lebt der Name auch noch im Flughafenmuseum Butzweilerhof weiter.

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(6) Die Stiftung des Deutschen Kreuzes ist darauf zurückzuführen, dass im Verlauf des Zweiten Weltkrieges immer mehr Soldaten als Auszeichnung die beiden Stufen des Eisernen Kreuzes verliehen bekommen hatten, aber nicht die Voraussetzungen für das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes erfüllten. Um diese Soldaten auch weiterhin auszeichnen zu können, wurde das Deutsche Kreuz in zwei Abteilungen eingeführt.

Obwohl das Deutsche Kreuz in Gold keine Stufe des Eisernen Kreuzes war, setzte es die Verleihung des Eisernen Kreuzes beider Klassen voraus und wurde nur für „vielfach bewiesene außergewöhnliche Tapferkeitsleistungen“ oder „vielfache hervorragende Verdienste in der Truppenführung“ verliehen.

Quelle für die Punkte 4 bis 6: Übernommen aus dem Buch „Langweilig war es nie“

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(7) Birmingham ist die zweitgrößte Stadt des Vereinigten Königreichs nach London.

Quelle: wikipedia

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(8) Grundlage für die Behandlung von Kriegsgefangenen sollte die „Haager Landkriegsordnung“ von 1907 bilden, wonach Gefangene mit Menschlichkeit und in Bezug auf Nahrung, Unterkunft und Kleidung auf demselben Fuße zu behandeln seien, wie die Truppen der Regierung, die sie gefangen genommen hat. Die Genfer Kriegsgefangenen-Konvention von 1929 beinhaltete weitere Bestimmungen über einen humanen Umgang mit Gefangenen einschließlich des Verbots, sie zu „unzuträglichen und gefährlichen Arbeiten zu verwenden“. Allerdings erkannte die deutsche Führung den Schutz des Kriegsvölkerrechts für die nach dem Überfall auf Polen in deutsche Kriegsgefangenschaft geratenen 400.000 polnischen Soldaten nicht an. Sie aberkannten den Soldaten den Status als Kriegsgefangene mit der Begründung, dass ein nicht mehr existenter polnischer Staat über keine bewaffneten Organe verfügen könne. Die Gefangenen konnten zu Zivilisten erklärt und als Zwangsarbeiter in der deutschen Industrie oder Landwirtschaft eingesetzt werden.

Quelle: Buch „Langweilig war es nie ...“

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(9) Landung der Alliierten in der Normandie:

Das Wort Alliierte stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Verbündete, die ein Bündnis geschlossen haben, zumeist einen Krieg. Dabei musste es sich nicht um einen formellen Vertrag handeln, ein koordinierter Kampf gegen einen gemeinsamen Gegner reichte aus.

Die Alliierte Invasion in der Normandie – oder Operation Overlord – ab dem 6. Juni 1944 für die in Nordfrankreich 1944 stattgefundene Landung der Westalliierten der Anti-Hitler-Koalition im Zweiten Weltkrieg führte im Westen Europas zur Errichtung der zweiten Front gegen das Deutsche Reich. Die Landung, vorwiegend mit Hilfe von Schiffen und massiver Luftunterstützung, erfolgte im Wesentlichen an der französischen Küste des Ärmelkanals östlich von Cherbourg in der Normandie. Der erste Tag wird auch D-Day (evtl. nach dem Wort „Débarquement“) oder „der längste Tag“ genannt. Die erfolgreiche Landung brachte der Sowjetunion die seit längerem gewünschte Entlastung der Roten Armee beim Kampf gegen die Wehrmacht.

Quelle: wikipedia

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(10) Vilnius: Als die deutsche Wehrmacht im September 1939 in Polen einmarschiert war, wurde der bis dahin polnisch besetzte Teil Litauens gemäß der „Absprache des Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffspaktes“ von der Roten Armee besetzt. Vilnius wurde am 19. September eingenommen. Für wenige Wochen war Vilnius Teil der Weißrussischen Sowjetrepublik. Im Oktober wurde die Stadt formell an Litauen gegeben. Litauen wurde am 15. Juni 1940 von der Roten Armee besetzt. Nach dem Anschluss Litauens an die UdSSR am 3. August 1940 wurde Vilnius wieder Hauptstadt des Landes, der Litauischen Sozialistischen Sowjetrepublik.

Quelle: wikipedia

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(11) Der Erste Weltkrieg wurde von 1914 bis 1918 in Europa in Vorderasien, Afrika Ostasien und auf den Ozeanen geführt. Etwa 17 Millionen Menschen verloren dadurch ihr Leben …

Quelle: wikipedia

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(12) Die Schutzstaffel (SS) war eine nationalsozialistische Organisation in der Weimarer Republik und der Zeit des Nationalsozialismus, die der NSDAP und Adolf Hitler als Herrschafts- und Unterdrückungsinstrument diente. In ihren Verantwortungsbereich fielen … Betrieb und Verwaltung von Konzentrations- und Vernichtungslagern … waren an der Planung und Durchführung des Holocausts und anderer Völkermorde vorrangig beteiligt.

Quelle: wikipedia

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(13) Die Abkürzung YMCA steht für Young Men‘s Christian Association, deutsch Christlicher Verein junger Menschen (CVJM).

Quelle: wikipedia

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Auszug aus „Langweilig war es nie – Die Lebensgeschichte des Ehepaares Werner und Adele N.“;

Hier: Ehemann Werner N. zur Schulzeit und Krieg

Erzählung von Werner und Adele N., aufgeschrieben von Rosi A., bearbeitet von Barbara H.

Foto: Jens P. Raak/Pixabay