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Erst Pimpf, dann Hitlerjugend – und plötzlich war der Krieg ganz nahe

Bruno J. wurde 1929 in Ostpreußen in der Nähe von Königsberg (1) geboren, wuchs mit sechs Geschwistern in Galtgarben auf. Für ihn endete die Schulzeit und begann die Berufsausbildung, da war er 13 Jahre alt. Noch glaubte er an die Versprechungen vom „Endsieg“, die ihm Autoritäten in Schule und bei der Hitlerjugend gemacht worden waren.

Symbolfoto: Falco/Pixabay


Post austragen mit dem Fahrrad


Als Dreizehnjähriger begann ich also eine Ausbildung bei der Post im nahen Drugehnen, der dem Galtgarben (2) am nächsten liegenden Bahnstation. Der gestrenge Leiter des Postamtes war Postverwalter S. Da ein ausgeprägter Mangel an Arbeitskräften bestand, wurde ich sehr bald damit betraut, per Fahrrad die Post auszutragen.

Der Bezirk umfasste Drugehnen, Wiekau, Prilacken und Galtgarben. Es war nicht leicht, mit der schweren Tasche auf dem Fahrrad über die nicht befestigten Feldwege mit den ungezählten Schlaglöchern zu balancieren. Das konnte auch einmal zu einem Sturz in eine Pfütze führen, was für die Briefe nicht gerade gut war und zu manch unfreundlichem Kommentar der Empfänger führte, die sich natürlich ihren alten Postboten zurück wünschten.

Es gab aber auch sehr nette Kunden; so erreichte ich ungefähr zur Mittagszeit das Rittergut in Prilacken, wo für mich dann regelmäßig ein warmes Mittagessen bereit stand. Meine Tätigkeit bestand nicht nur darin, Briefe auszuliefern; Auszahlungen vielfältiger sozialer Leistungen und Überweisungen gehörten auch zu meinen Aufgaben. Wirklich problematisch war aber eigentlich nur die Auslieferung der Feldpost. Traurig, wenn die Familien wochenlang oder gar monatelang sehnsüchtig auf eine Nachricht warteten und ich nie einen Brief für sie hatte!

Dann wurden mir mitunter Vorwürfe gemacht, ich schaute nicht richtig in den Postfächern nach … so ein Junge wie ich könne das gar nicht … bei einem richtigen Briefträger „wie früher“ hätten sie längst ihren Feldpostbrief. Das waren schwierige Situationen für mich!

Als Pimpf: Spielen, Sport treiben und Knöpfe annähen

Die Berufsschule besuchte ich im Schuldorf Kumehnen. Irgendwann während der Kriegswirren schloss sie aber, und ich konnte meine Ausbildung bei der Post nicht beenden. Tatsächlich hatte das nationalsozialistische Regime (3) schon früh in mein Leben eingegriffen, ohne dass ich das verstanden hatte. Mit zehn Jahren sollte ich bei den „Pimpfen“ (4) eintreten, aber Vater entschied, dass das nichts für mich sei, wohl weil seine politischen Vorstellungen anders aussahen.

In der Schule wunderten sich die anderen Kinder, warum ich nicht zu den Treffen kam. Nach einiger Zeit änderte mein Vater seine Meinung, und ich wurde ein „Pimpf“; vermutlich hatte Vater sich dem Druck „von oben“ gebeugt. Ich ging recht gern zu den wöchentlichen Gruppentreffen in Kumehnen; wir trugen eine „Uniform“, konnten spielen und Sport treiben.

Die Bedeutung des paramilitärischen Drills, etwa des Appells „Stramm stehen, die Hände an der Hosennaht“, durchschaute ich nicht, sondern nahm diese Übungen als notwendige Begleiterscheinung hin.

Neben praktischen Dingen wie Knöpfe annähen, lernten wir auch Dinge, mit denen ich nichts anzufangen wusste, die mich aber auch nicht irritierten, wie das über den Daumen Anpeilen eines Gegenstandes oder die Bedeutung und den Unterschied von Spähtrupp und Stoßtrupp.

Symbolfoto: Barbara H.

Was uns über den "Endsieg" erzählt wurde, zweifelte ich so wenig an, wie Unterrichtsstoff in der Schule. Im Ganzen betrachtete ich die Nachmittage als willkommene Abwechslung. So blieb es, nachdem ich mit 14 Jahren zur Hitlerjugend (5) gekommen war. Eines Tages – vielleicht im Jahr 1944 – wurden wir aufgerufen, uns freiwillig zu einem etwa sechswöchigen Arbeitseinsatz zu melden. In der Gegend von Tauroggen in Litauen (6) sollten Schützengräben ausgehoben werden.


Heute für mich unbegreiflich, meldete ich mich freiwillig; vermutlich erhoffte ich mir Abwechslung, oder Abenteuerlust spielte eine Rolle. Es war Sommer, die Arbeit war natürlich schwer, aber wir erlebten auch Gemeinschaft.

Ein gutmütiger Soldat, der wegen der nahen Kämpfe zu unserem Schutz bewaffnet war und unsere Tätigkeiten beobachtete, bedeutete uns wiederholt, die Arbeit nicht zu engagiert anzugehen, sondern es langsam gehen zu lassen. Das Ergebnis war, dass wir eines Morgens zum Appell zu erscheinen hatten und uns von einem HJ-Führer eine Strafpredigt gehalten wurde.

Zum Schluss fragte man uns, ob jemand nach Hause wolle. Einige Jungen meldeten sich, das heißt, sie hatten aus der Reihe zu treten. Dann hieß es, sie könnten nach Hause, müssten aber zu Fuß von Litauen nach Ostpreußen gehen!

Als ich nach Abschluss dieses „freiwilligen“ Einsatzes wieder nach Hause kam, wurde ich von Postverwalter S. ungnädig empfangen – was ich heute verstehen kann –, weil er große Schwierigkeiten gehabt hatte, die Post pünktlich auszuliefern. Der Arbeitskräftemangel war ein ständiges Problem, mindestens seit 1939, als viele Männer eingezogen wurden. Auf dem Gut versuchte man die Lücken mit polnischen Fremdarbeitern (7) zu schließen.

Das Schicksal des Vaters

Mein Vater blieb etwa zwei Jahre verschont, er war „uk“, unabkömmlich, gestellt, weil er in der Landwirtschaft (Ernährung!) tätig war. Zur allgemeinen Verwunderung galt das auch für den Pächter, obwohl der ein sogenannter „Zwölfender“ (8) war; allerdings vermuteten wir als Grund eine Erkrankung.


Mit fortschreitenden Kriegshandlungen traf es dann meinen Vater etwa 1941 doch. Zunächst wurde er zur Ausbildung geschickt. Ich erinnere mich noch an den entsetzten Ausruf meiner Mutter, als er nach einigen Wochen für einen Kurzurlaub nach Galtgarben kam, weil er extrem abgemagert war.

Nach Abschluss der Ausbildung im Bereich der Luftnachrichten wurde er an die Ostfront kommandiert. Er überlebte die „Schlammschlachten“ um Moskau. Bis auf zwölf Soldaten wurde sein ganzes Regiment ausgelöscht.

Vater bekam Heimaturlaub und wurde dann als Ausbilder nach Wien geschickt. Von dort wurde er mit einem ihm unbekannten Regiment nach Odessa (9) verlegt. Nach der Ankunft zeigte sich, dass das Gebiet bereits vom Feind besetzt war. Also ging es unverzüglich in die Ägäis.

Ich weiß, dass Vater länger auf den Inseln Kos und Leros stationiert war und dass er uns Korinthen schickte. Später erzählte er, dass die griechischen Partisanen furchtbar gefährlich gewesen seien, dass es lebensgefährlich gewesen sei, etwa mit einem Bus zu fahren, weil jeder scheinbar harmlose Fahrgast ein bewaffneter Partisan hätte sein können, der jederzeit bereit war, auf einen deutschen Soldaten zu schießen.

Es muss unmittelbar nach Kriegsende gewesen sein, dass er uns einmal kurz – anscheinend heimlich – besuchte. Er war in Pillau (10) gefangen und musste im Hafen arbeiten, wo mit riesigen Kranen gesunkene Schiffe gehoben wurden. Ich habe nie erfahren, wie Vater als Gefangener gerade nach Pillau gelangte.

Kriegswirren und Vertreibung

Bei uns in Galtgarben schlug der Krieg erst im Januar/Februar 1945 mit voller Wucht bis zur völligen Vernichtung unseres Lebens dort zu. Ich erfuhr das Grauenhafte, als völlig unvorhersehbare, chaotische Einzelüberfälle, die unsere Heimat zerstörten. In diesen entsetzlichen Wirren ging jedes Zeitgefühl verloren. So erlebte ich aus nächster Nähe die Sprengung des Bismarckturms (11) mit. Ich sah, wie der ganze Turm sich hob, bevor er mit furchtbarem Krachen in sich zusammenstürzte, hatte aber keine Ahnung, dass sich da die letzte deutsche Truppeneinheit in die Luft sprengte.

Die beiden großen Luftangriffe auf Königsberg im Januar – für uns waren es die ersten überhaupt – konnte ich aus der Ferne anschauen. Sogar bei uns gab es Bombenalarm, wir wurden angewiesen zu „verdunkeln“.

Als ich einmal aus Gedankenlosigkeit gewohnheitsmäßig in dem Vorraum, in dem der Backofen stand, das Licht eingeschaltet hatte, stürzte meine Mutter aus der Küche und versetzte mir in ihrer Angst und Sorge eine „Klatsche“.

Alliiertes Propagandamaterial wurde auch über Galtgarben abgeworfen. Ich erinnere mich an einen Spruch auf einem Flugblatt: „Königsberger, ob Ihr weint oder lacht, wir kommen jede dritte Nacht!“

Zwei Flugzeuge explodierten

Von einer kleinen bewaldeten Anhöhe aus – nah an unserem Haus – beobachtete ich durch das Geäst der Bäume, neugierig wie ich war, beim Angriff auf Königsberg den hell erleuchteten Himmel, die Leuchtkugeln, ja, die berühmt-berüchtigten „Christbäume“.

Einmal verfolgte ich auch den Absturz zweier Flugzeuge in relativer Nähe: Sie explodierten in der Luft, dann wurde es dunkel. Am nächsten Tag kamen deutsche Soldaten und durchsuchten das Gelände; sie fanden ein großes Bündel Stanniol, das abgeworfen worden war, um den Radar des Feindes zu stören. Allerdings war dieser Störversuch misslungen, weil sich die Streifen nicht gelöst hatten.

Als die Männer auf mich trafen, fragten sie mich nach allen Einzelheiten aus, die ich gesehen hatte. So wollten sie wissen, in welcher Reihenfolge die Bomber abgestürzt waren usw.

Auf meine Nachfrage erfuhr ich, dass die beiden Maschinen von der Flak (12) und der Luftwaffe abgeschossen worden waren. Für die militärische Auszeichnung des jeweiligen Schützen war es wichtig, den Flugzeugtyp zu dokumentieren. Sogar mir arglosem Bürschchen wurde das Makabre der Situation irgendwie bewusst; zumal ich zusehen musste, wie mit Hilfe von langen Stangen in den verbrannten Wracks nach den Personalien der Toten, die sich noch in den Maschinen befanden, gesucht wurde.

Symbolfoto: Kanals/Pixabay

Der Deserteur

Kleinere Gruppen deutscher Soldaten tauchten bei uns auf, warnten vor bevorstehenden Kämpfen und rieten, uns in Sicherheit zu bringen. Aber Mutter wusste nicht, wohin mit sechs Kindern?! Wir blieben. Als einziger Schutz bot sich ein kleiner Erdbunker in einem an das Hofgelände angrenzenden Waldstück an, der für alle Fälle vorbereitet worden war. Mein Bruder Martin und ich wurden von Mutter vorgeschickt, um schon einmal einigen Proviant dorthin zu tragen. Wir erschraken fürchterlich, als wir in dem Bunker auf einen fremden Mann trafen. In Panik rannten wir nach Hause.

Es stellte sich heraus, dass es sich um einen deutschen Soldaten handelte, der wohl desertiert war; er hatte sein Gewehr irgendwo in den Schnee geworfen und war geflüchtet. Doch er wurde von uns gefunden. Wie er den Bunker gefunden hatte, wusste er selbst nicht. Mutter gab ihm Zivilkleidung von Vater, und er versteckte sich für einige Zeit in der großen Scheune, wohin ich ihm regelmäßig Essen bringen musste. Ich weiß nicht, was aus ihm geworden war.

Grauenhafte Begegnungen: Schockstarre oder Lethargie?

Inzwischen rückten die Kämpfe immer näher; der Frontverlauf wechselte ständig. Eine meiner grauenhaftesten Begegnungen hatte ich, als ich auf Veranlassung meiner pflichtbewussten Mutter nochmals zu meiner Dienststelle ging, obwohl ich meinte, dass das nach der Ankunft der Russen überflüssig sei. Tatsächlich herrschte in der ganzen Post – offensichtlich nach Kämpfen – ein unvorstellbares Chaos; kein Mensch war zu sehen.

An einer Straßenkreuzung stieß ich auf einen Elendszug von grauen, zerlumpten, gebeugten Gestalten, die mehr krochen als gingen. Manche hatten an einem Draht oder ähnlichem eine Blechdose hängen. Sie schwankten zu Tode erschöpft daher. Der jammervolle Zug nahm seinen Weg nach Norden, zum Meer. Ich bekam auch mit, dass der Wachsoldat ab und zu Schüsse abgab, um zu erschrecken oder weil jemand nicht mehr weiter konnte?

Zu Hause erzählte ich voll Entsetzen, was ich gesehen hatte. Meine Mutter glaubte mir nicht: „So etwas gibt es nicht!“ Erst viel später musste ich erfahren, dass es wohl Häftlinge aus Konzentrationslagern waren, die in den Tod getrieben wurden.

Das Grauen wurde noch gesteigert, als ein Trupp russischer Soldaten – es muss nach Wochen gewesen sein – bei uns erschien und mich mitnahm. Zunächst ging es zur Gaststätte, wo der Besitzer – trotz des energischen Protestes seiner Frau – gezwungen wurde mitzukommen und Schaufel und Spitzhacke mitzubringen.

Wir hatten keine Ahnung, wohin es ging und was mit uns geschehen sollte. Wir wurden irgendwo in den Wald getrieben, wo viele Tote lagen, die wir – ein alter Mann und ein 15-ähriger Junge – nun in der verschneiten, hart gefrorenen Erde begraben sollten.

Mein Entsetzen war unbeschreiblich: Die Toten konnten nur die armen Menschen aus dem Elendszug sein. Sie waren erschossen worden, als sie völlig erschöpft zurückgeblieben waren, weil sie vor Schwäche nicht mehr mitziehen konnten. Wer alle diese Toten vom Straßenrand in den Wald gebracht hatte, habe ich nie erfahren.

Später musste ich noch viele Tote sehen, die irgendwo begraben lagen: Deutsche und Russen. Manchmal suchten Soldaten ihre vermissten Kameraden. Man sah sie dann Schlitten ziehen, auf denen nur notdürftig oder gar nicht bedeckt die Toten lagen. Die Gräber der russischen Soldaten waren rote Pyramiden – Erdhügel mit rot gestrichenen Latten bedeckt –, gekrönt von einem Sowjetstern. Auf den Gräbern der deutschen Soldaten standen weiße Birkenkreuze, an denen oft ein Helm hing; wenn bekannt, standen Name und Daten des Gefallenen auf einem Holztäfelchen eingebrannt. Ich fand viele dieser Holzkreuze geschändet, indem ein Querbalken abgebrochen war, so dass die Kreuzform zerstört war.

Doch zurück zum chronologischen Ablauf! Als meine Brüder Martin und Waldi und ich einmal mit dem Pferdeschlitten unterwegs waren, sahen wir den ersten russischen Soldaten hoch zu Pferd, in einem Schneehemd, auf dem Kopf die typisch russische Pelzmütze. In einer Hand hielt er die Zügel, mit der anderen richtete er seine Waffe auf uns. Wir standen mit erhobenen Händen und versuchten ihm deutlich zu machen, dass wir völlig harmlos waren. Er ließ uns laufen.

Ein Russe erschoss Nero, den Bernhardiner

Die deutschen Soldaten auf unserem Hof waren fassungslos, als sie von dieser Begegnung erfuhren, und wollten nicht glauben, dass die Russen schon da waren. Tatsächlich hatten wir schon früher Russen erlebt: Sie nutzten unser gut ausgebautes Skigebiet und machten am Galtgarben Langlaufskikurse, sie bauten auf der anderen Bergseite auch eigene Erdbunker. Es gab nicht allzu viele Berührungen mit ihnen, aber sie verhielten sich recht freundlich.

Nach unserer Begegnung mit dem Reiter suchten verschiedene Russen unser Gut auf. Der Erste war allein. Als er mich sah, packte er mich – er hielt seinen Revolver schussbereit –, und ich musste ihn durch die Hofanlage führen. Ich verstand, dass ich als lebender Schutzschild diente. Die Russen fürchteten stets, von Heckenschützen – Partisanen – getötet zu werden. Bei diesem Rundgang kamen wir auch zur Hütte des Bernhardiners. Natürlich gebärdete sich Nero wie toll. Ohne auch nur den Bruchteil einer Sekunde zu zögern, erschoss der Russe den Hund. Ich war so geschockt, für mich war Nero der erste mir bekannte Kriegstote, dass ich die Szene bis heute nicht vergessen kann.

Kurz danach musste ich einige russische Offiziere in das Herrenhaus führen. Gegenüber der Tür war die gesamte Wand des Wohnzimmers bedeckt mit der deutschen Marinekriegsflagge. Die Russen waren völlig irritiert; sie besprachen sich und wussten offensichtlich nicht, was das für ein Tuch war.

Frau K., die Ehefrau des Marineoffiziers, wie üblich allein im Haus, erklärte ihnen energisch die Bedeutung der Flagge und schloss dann scheinbar ungerührt: „Mein Mann ist nämlich Marineoffizier, und jetzt können Sie mich erschießen …“ Die Russen erstarrten, drehten sich um und verließen unverzüglich das Haus.

Dem Tod um Haaresbreite entronnen

Einmal wurde ich verhört. Die Verständigung war schwierig, eigentlich nicht möglich. Ein Russe redete auf mich ein, ich glaubte wiederholt den Namen „Fritz, Fritz“ zu verstehen, dabei hielt er ständig seine Pistole auf mich gerichtet. Da mein jüngster Bruder so heißt, sagte ich immer wieder: „Nein, ich bin Bruno! Ich heiße Bruno!“

Er fuchtelte immer gefährlicher mit seiner Waffe vor meinem Kopf, bis schließlich sein Begleiter etwas für mich natürlich Unverständliches zu ihm sagte und seine Hand mit der Waffe einfach wegschob. Ich war gerettet. Später erfuhr ich, dass „Fritz“ die Bezeichnung der Russen für die Deutschen war – wie wir die Russen „Iwan“ nannten.

Ich erlebte noch oft, wie man durch einen gänzlich unvorhersehbaren und auch undurchschaubaren Zufall wirklich um Haaresbreite dem Tod entrinnen konnte.

(1) Königsberg war die Hauptstadt der deutschen Provinz Ostpreußen. Ihre nahezu siebenhundertjährige Geschichte endete infolge des Zweiten Weltkriegs. Die Stadt wurde 1946 als fortan russische Stadt in Kaliningrad umbenannt.

Königsberg entstand bei der 1255 vom Deutschen Ritterorden an der Pregelmündung im Südosten der Halbinsel Samland errichteten gleichnamigen Burg. Bis 1945 war Königsberg als Hauptstadt der preußischen Provinz Ostpreußen deren kulturelles und wirtschaftliches Zentrum. Mit der Reichsgründung wurde es 1871 zur nordöstlichsten Großstadt des Deutschen Reiches. Im April 1945 eroberte die Rote Armee in der Schlacht um Königsberg die durch zwei britische Luftangriffe schon 1944 weitgehend zerstörte Stadt. Anschließend nahm die Sowjetunion das nördliche Ostpreußen mit Königsberg in Besitz. Die nach der Eroberung Königsberg verbliebene Zivilbevölkerung, welche die ersten Nachkriegsjahre überlebt hatte, wurde bis 1948 in die Sowjetische Besatzungszone abgeschoben.

Quelle: wikipedia-org


(2) Der Galtgarben ist mit 111 m der höchste Punkt des Alkgebirges im Samland und liegt im heutigen Rajon Selenograds; einem Teil der etwa 75 km langen und etwa 30 km breiten ostpreußischen Halbinsel, die zwischen dem Frischen Haff und dem Kurischen Haff in der Ostsee ragt. Im Winter wird er seit Ende der 1920er Jahre zum Skifahren genutzt. … 1910 erwarben der Stadt- und Landkreis Königsberg den Galtgarben. … Als westlicher Teil des nördlichen Ostpreußens gehört das Samland seit 1945 zu Russland.

Quelle: wikipedia


(3) Der Nationalsozialismus ist eine radikal antisemitische, rassistische, ultranationalistische, völkische, sozialdarwinistische, antikommunistische und antipluralistische Ideologie. Seine Wurzeln hat er in der völkischen Bewegung, die sich etwa zu Beginn der 1880er Jahre im deutschen Kaiserreich und in Ostereich-Ungarn entwickelte. Ab 1919, nach dem Ersten Weltkrieg, wurde er zu einer eigenständigen politischen Bewegung im deutschsprachigen Raum.

Die 1920 gegründete Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) gelangte unter Adolf Hitler am 30. Januar 1933 in Deutschland zur Macht, wandelte die Weimarer Republik durch Terror, Rechtsbrüche und die sogenannte Gleichschaltung in die Diktatur des NS-Staats um. Dieser löste 1939 mit dem Überfall auf Polen den Zweiten Weltkrieg aus, in dessen Verlauf die Nationalsozialisten und ihre Kollaborateure zahlreiche Kriegsverbrechen und Massenmorde verübten, darunter den Holocaust an etwa sechs Millionen europäischen Juden und den Porajmos an den europäischen Roma. Die Zeit des Nationalsozialismus endete mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945.

Quelle: wikipedia.org


(4) Das Deutsche Jungvolk (DJ) … war in der Zeit des Nationalsozialismus eine Jugendorganisation der Hitlerjugend für Jungen zwischen 10 und 14 Jahren. Danach wurde, wer nicht als Jungvolkführer in Übereinstimmung mit höheren Jungvolkführern im Jungvolk bleiben wollte, in die Hitlerjugend überwiesen. Ziel der Organisation war es, die Jugend im Sinne des Nationalsozialismus zu indoktrinieren, in Loyalität zu Adolf Hitler zu erziehen und vormilitärisch auszubilden. Die Mitglieder des DJ nannten sich offiziell „Jungvolkjungen“, umgangssprachlich für den jüngsten Jahrgang „Pimpf“.

Die Organisation war ein Teil der allgemeinen antinationalistischen Gleichschaltung aller Lebensbereiche. Als Jugendorganisation bestand des Deutsche Jungvolk bis zum Zusammenbruch des Nationalsozialismus im Jahre 1945.

Quelle: wikipedia


(5) Die Hitlerjugend (HJ) war die Jugend- und Nachwuchsorganisation der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP). Sie wurde ab 1926 nach Adolf Hitler benannt und unter der Diktatur des Nationalsozialismus in Deutschland ab 1933 zum einzigen staatlich anerkannten Jugendverband mit bis zu 8,7 Millionen Mitgliedern (98 Prozent aller deutschen Jugendlichen) ausgebaut. … Sie galt als eine der Organisationen, die in besonderem Maße die proklamierte Volksgemeinschaft verkörperten.

Die seit März 1939 gesetzlich vorgeschriebene „Jugenddienstpflicht“ verpflichtete alle Jugendlichen zwischen 10 und 18 Jahren, in die für sie vorgesehene Unterorganisation der HJ einzutreten, wo an zwei Tagen pro Woche „Dienst“ zu leisten war. Im Mittelpunkt der nach dem „Führerprinzip“ geordneten Organisationen stand die körperliche und ideologische Schulung; sie umfasste rassistische und sozialdarwinistische Indoktrination und gemeinsame Wanderungen bzw. Märsche und körperliche Übungen im Freien….

Ab Anfang 1943 wurden sie teils als Flakhelfer eingesetzt, in den letzten Wochen des Krieges auch im Volkssturm; viele der Jungen fielen dabei. Auch unter den Jugendlichen, die in die eigens für sie eingerichtete SS-Division „Hitlerjugend“ eingezogen wurden, kam es zu hohen Verlusten.

Quelle: wikipedia


(6) Tauroggen, heute Tauragé, ist eine Stadt mit rund 21.000 Einwohnern … im Südwesten Litauens am Fluss Jura. Sie ist zudem Hauptstadt eines der zehn Bezirke des Landes. …

Nach der sowjetischen Besetzung Litauens 1940 diente das Schloss von Tauroggen der Internierung litauischer Dissidenten und polnischer Kriegsgefangener. Tauragé gehörte nun zur Litauischen Sozialistischen Sowjetrepublik. … Am Tag es deutschen Überfalls auf die Sowjetunion eroberte die Wehrmacht am 22. Juni 1941 die Stadt. Im folgenden Holocaust wurden über 4.000 Juden in Tauroggen und den umliegenden Orten ermordet. Im Herbst 1944 endete die deutsche Besatzung mit der Wiedereinnahme Tauragés durch die Rote Armee. Die erneute Zugehörigkeit zur Sowjetunion endete 1990 mit der Unabhängigkeit Litauens.

Quelle: wikipedia


(7) Der Zwangsarbeit in der Zeit des Nationalsozialismus wurden … in den von der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg besetzten Gebieten mehr als zwanzig Millionen Menschen unterworfen. In vielen Ländern wird hierfür der Ausdruck „Totaleinsatz“ beziehungsweise „Totaleinsatz im Reich“ verwendet. Diese Zwangsarbeit … ist eine europaweite Erfahrung ohne Beispiel. Überall wurden Zwangsarbeiter eingesetzt – in Rüstungsbetrieben ebenso wie auf Baustellen, in der Landwirtschaft, im Handwerk oder in Privathaushalten. Jeder aus der Bevölkerung ist ihnen begegnet, ob als Besatzungssoldat in Polen oder als Bäuerin in Thüringen. Mit keinem anderen nationalsozialistischen Verbrechen waren derart viele Menschen persönlich konfrontiert – als Opfer, Täter oder Zuschauer. Ab Januar 1942 wurden die ersten „Ostarbeiter“ mit Zügen ins Deutsche Reich deportiert. Zwangsarbeit wurde ebenfalls in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern (KZ) im Kriegsverlauf immer umfangreicher als eine Form der Ausbeutung und Vernichtung der Häftlinge eingesetzt …

Quelle: wikipedia


(8) Als Zwölfender werden beim Militär (Soldaten) bezeichnet, die eine mindestens zwölfjährige Dienstzeit abgeleistet haben. … Damit konnte ein Anspruch auf Versorgung mit einer Stelle im öffentlichen Dienst erworben werden….

Quelle: wikipedia


(9) Odessa … ist eine Millionenstadt am Schwarzen Meer und das administrative Zentrum … in der Ukraine. Die Stadt mit knapp über einer Million Einwohnern (Stand 2019) ist die bedeutendste Hafenstadt des Landes.

Quelle: wikipedia.org


(10) Pillau, heute russisch Baltijsk, an der Ostsee gehörte bis 1945 zu Ostpreußen und ist der Vorhafen von Kaliningrad, dem früheren Königsberg. Pillau, das war für Zehntausende 1945 Hafen der letzten Hoffnung. Nachdem Ostpreußen vom Reich abgeschnitten war, gab es nur noch den Fluchtweg über die Ostsee. Der Kriegs- und Handelsmarine gelang es von Januar bis April 1945, 625.000 Menschen zu evakuieren, darunter 141.000 verwundete Soldaten.

Die Stadt gehörte bis 1945 zu Ostpreußen, lag bis 1939 im Landkreis Fischhausen und nach dessen anschließendem Aufgehen im Landkreis Samland … Pillau wurde zum größten Fluchthafen der Weltgeschichte.

Quelle: wikipedia.org und Deutschlandfunk


(11) Der Bismarckturm wurde 1906 eingeweiht … Zu Beginn der Schlacht um Ostpreußen im Januar 1945 sprengte sich die letzte deutsche Truppeneinheit im Bismarckturm in die Luft.

Quelle: wikipedia


(12) Unter einer Flugabwehrkanone … kurz Flak … versteht man eine ursprünglich im Ersten Weltkrieg entwickelte Waffe, die zur Abwehr von Flugzeugen eingesetzt wird. Daraus abgeleitet wurde die Flakartillerie, eine Waffengattung, die neben diesen Geschützen auch Maschinenkanonen verwendete …

Quelle: wikipedia.org


Auszug aus "Von Galtgarben nach Gerresheim – Aus meinen Erinnerungen“, erzählt von Bruno Max J., aufgeschrieben von Mia K. (2013), bearbeitet von Barbara H. (2023)

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